Pressemitteilung
Tabak- und Nikotinkonsum von Jugendlichen: Nationale SchülerInnenstudie zeigt besorgniserregende Entwicklung

Sucht Schweiz

27.03.2023, Lausanne/Bern - Jede/r dritte 15-Jährige hat in den letzten 30 Tagen vor der Befragung mindestens ein Tabak- oder Nikotinprodukt konsumiert. Die höchsten Raten werden bei der E-Zigarette verzeichnet. Die Zunahme im Vergleich zu 2018 ist besorgniserregend. Der Konsum konventioneller Zigaretten wie auch jener von Alkohol bleibt insge­samt ähnlich hoch wie vor der Pandemie. Aufhorchen lässt, dass 9% der 15-jährigen Mädchen mindestens einmal im Leben Medikamente mit Alkohol mischten (Jungen: 5%). Sucht Schweiz hat die national repräsentative Studie HBSC, Health Behaviour in School-aged-Children, bei 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schülern im letzten Jahr im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführt.

7% der Jungen und 6% der Mädchen im Alter von 15 Jahren konsumierten im Jahr 2022 konventionelle Zigaretten an mindestens 10 Tagen im Laufe der letzten 30 Tage. Dieser Konsum ist im Vergleich zu 2018 etwa gleich hoch. Ein häufiger Konsum ist bei den

13- Jährigen selten. Doch 6% der Mädchen und ebenso viele Jungen rauchten mindestens einmal im Monat, was im Vergleich zu 2018 eine Verdoppelung darstellt.

Eine starke Zunahme, vor allem bei den Mädchen, gab es beim Konsum weiterer Nikotinprodukte. Der Konsum von E- Zigaretten, darunter Puff Bars und Nachahmer­produkte, an mindestens 10 Tagen im Laufe der letzten 30 Tage betrifft 7% der Jungen und 8% der Mädchen im Alter von 15 Jahren. Dieser häufige Konsum nahm im Vergleich zu 2018 vor allem bei den Mädchen zu.

Bei den 15-Jährigen ist im Vergleich zu 2018 ein deutlicher Anstieg bei zwei weiteren Tabak- oder Nikotinprodukten zu beobachten.

Verdreifachung des Konsums von Tabakerhitzern, Verdoppelung bei Snus

Tabakerhitzer wurden von 4% der Jungen und 3% der Mädchen im Alter von 15 Jahren mindestens einmal in den letzten 30 Tagen gebraucht. Dies ist drei Mal mehr als im Jahr 2018.

13% der 15-jährigen Jungen haben Snus in den letzten 30 Tagen mindestens einmal konsumiert; das sind doppelt so viele wie im Jahr 2018. Auch bei den gleichaltrigen Mädchen gab es eine deutliche Zunahme (von 1% auf 6%).

Insgesamt haben 10% der Jungen und 11% der Mädchen häufig mindestens eines der drei folgenden Produkte konsumiert (an mind. 10 Tagen oder mehr in den letzten 30 Tagen): konventionelle Zigarette, E- Zigarette und Tabakprodukt zum Erhitzen. Dies bedeutet einen Anstieg bei den Mädchen im Vergleich zu 2018.

Erstmals nationale Daten zum Mischkonsum mit Medikamenten bei Jugendlichen

4% der 15-Jährigen haben in ihrem Leben mindestens einmal ein Medikament einge­nommen, um sich zu berauschen. Dieser Wert ist ähnlich hoch wie vier Jahre zuvor.

2% der 15-jährigen Jungen und 5% der gleichaltrigen Mädchen haben mindestens einmal im Leben starke Beruhigungs- oder Schmerzmittel genommen, um sich zu berauschen. Oft scheint es ein einmaliger Probierkonsum zu sein.

5% der 15-jährigen Jungen und 9% der gleichaltrigen Mädchen haben mindestens einmal im Leben Medikamente mit Alkohol gemischt - dies gilt als besonders gefährlich. Bei Mischgetränken mit Hustensaft sind es 6% bzw. 2%.

Konsum von Alkohol und illegalem Cannabis bleibt auf zu hohem Niveau

43% der 15-jährigen Jungen und ebenso viele gleichaltrige Mädchen haben in den letzten 30 Tagen mindestens einmal Alkohol getrunken; diese Prävalenzen sind ähnlich hoch wie im 2018. Das Rauschtrinken bleibt auf etwa gleich hohem Niveau wie schon vier Jahre zuvor: etwa ein Viertel der 15-Jährigen haben mindestens einmal in den letzten 30 Tagen fünf oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit getrunken.

12% der 15-jährigen Jungen und 8% der gleichaltrigen Mädchen konsumierten in den letzten 30 Tagen mindestens einmal illegalen Cannabis; dies entspricht ungefähr dem gleichen Niveau wie im 2018.

Jetzt muss die Politik handeln: Gesundheit der Jugendlichen besser schützen

Der Jugendschutz hat bislang versagt in Anbetracht der Tatsache, dass jede/r dritte

15-Jährige in den letzten 30 Tagen vor der Befragung mindestens ein Tabak- oder Nikotinprodukt konsumiert hat. In einem Umfeld, wo digitale Medien fürs Marketing intensiv genutzt werden und wo der Jugendschutz schwach ist oder fehlt, müssen Kinder und Jugendliche besser geschützt werden. Sie sind in einem Alter, in dem sie noch gar nicht konsumieren sollten.

Die Ausweitung des Konsums von Produkten wie E-Zigaretten oder Snus muss gestoppt werden. Es braucht dringend regulatorische Massnahmen, um die Attraktivität und den Zugang zu reduzieren. "Damit nicht neue nikotinabhängige Generationen heran­wachsen, muss dieser Konsumtrend unbedingt gestoppt werden", betont Grégoire Vittoz, Direktor von Sucht Schweiz. Die Politik ist gefordert, zumal für diese Produkte auf Bundesebene bis heute weder ein Abgabealter noch griffige Werbeeinschränkungen bestehen. Strukturelle Massnahmen bei der Werbung, dem Zugang, bei Preis, Verpackung und Aromen sind nötig. Das sind mehr Bereiche als im zukünftigen neuen Tabakprodukte­gesetz vorgesehen sind. Gleichzeitig können alle Personen im Umfeld der Jugendlichen, insbesondere die Eltern, aber auch Lehrpersonen, individuelle Präventionsmassnahmen ergreifen.

Der Konsum von Medikamenten zusammen mit anderen psychoaktiven Substanzen gibt ebenfalls Anlass zur Sorge. Hier braucht es mehr Forschung und mehr Sensibilisierung aller Beteiligten im Gesundheits- und Sozialbereich. Die Angebote der Prävention müssten spezifischer auf Jugendliche ausgerichtet sein.

Jugendliche sind anfälliger für die Risiken des Substanzkonsums

Zur Adoleszenz gehört u. a. ein ausgeprägtes Bedürfnis, Neues auszuprobieren sowie die Bereitschaft, Risiken einzugehen, z. B. beim Konsum psychoaktiver Substanzen. Während dieses Verhalten im Entwicklungsprozess als normal angesehen werden kann, kann es kurzfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und sich zu einem häufigen Konsum entwickeln. Das Gehirn und der Körper von Jugendlichen reagieren besonders sensibel auf psychoaktive Substanzen. Jugendliche sind deshalb auf vielfältige Arten gefährdet.

Factsheet Konsum psychoaktiver Substanzen bei Jugendlichen

Forschungsbericht La consommation de substances psychoactives des 11 à 15 ans en Suisse - Situation en 2022 et évolution dans le temps - Résultats de l'étude Health Behaviour in School-aged Children (HBSC)

Die Studie HBSC

Die Schülerinnen- und Schülerstudie HBSC (Health Behaviour in School-aged- Children) ist eine internationale Studie, welche in mehr als 50 Ländern unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO-Europa) durchgeführt wird. Seit über 30 Jahren untersucht Sucht Schweiz das Gesundheitsverhalten, darunter den Substanzkonsum der Jugendlichen in der Schweiz. An der nationalen Studie beteiligten sich im Erhebungsjahr 2022 total 636 Klassen mit 9'345 Schülerinnen und Schülern im Alter von 11 bis 15 Jahren. Die Studie wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und der Mehrzahl der Kantone finanziert.

Sucht Schweiz ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial zu verhindern oder zu vermindern.

Pressekontakt:

Auskunft:

Monique Portner-Helfer

Mediensprecherin

mportner- helfer@suchtschweiz.ch

Tel.: 021 321 29 74

Markus Meury

Mediensprecher

mmeury@suchtschweiz.ch

Tel.: 021 321 29 63

27.03.2023 | von Sucht Schweiz

--- ENDE Pressemitteilung Tabak- und Nikotinkonsum von Jugendlichen: Nationale SchülerInnenstudie zeigt besorgniserregende Entwicklung ---

Über Sucht Schweiz

Sucht Schweiz will Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial verhindern oder vermindern.

Wir fördern die gesellschaftliche Debatte im Suchtbereich. Wir entwickeln und verbreiten wissenschaftliche Erkenntnisse, die es erlauben, die zugrundeliegenden Probleme zu verstehen, ihnen vorzubeugen und angemessen zu begegnen. Wir setzen uns für wirksame Massnahmen und politische Rahmenbedingungen zur Problemreduktion ein. Wir engagieren uns für ein Umfeld, das den Menschen eine gesunde Lebensweise erleichtert und die individuellen Gesundheitskompetenzen stärkt. Dabei kombinieren wir Massnahmen der Suchtprävention und der Gesundheitsförderung.

Wir unterstützen all jene mit besonderen Risiken – Kinder und Jugendliche sowie Menschen in kritischen Lebensphasen. Betroffenen und Nahestehenden stehen wir informierend, beratend oder finanziell zur Seite.


Quellen:
news aktuell   HELP.ch




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