Pressemitteilung
ZHAW: Bargeld wird deutlich weniger oft genutzt

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

22.02.2024, Die Schweizer Bevölkerung nutzt erstmals seit der Coronapandemie wieder deutlich weniger oft Bargeld. Mobiles Bezahlen wächst hingegen stetig und wird fast so häufig eingesetzt wie Bargeld. Zudem baut die Debitkarte ihren Vorsprung als beliebtestes Zahlungsmittel weiter aus, zeigt der Swiss Payment Monitor der ZHAW und der Universität St. Gallen.

ZHAW School of Management and Law und Universität St. Gallen

Der Anteil der Bargeldzahlungen geht in der Schweiz erstmals seit dem Ausbruch der Coronapandemie im Jahr 2020 wieder deutlich zurück (-3,2 Prozentpunkte). Bargeld bleibt aber mit einem Viertel der Anzahl Transaktionen auf dem zweiten Platz der Zahlungsmittel – dies jedoch nur noch knapp vor Zahlungen mit mobilen Geräten wie Mobiltelefon, Tablet oder Smartwatch (23,3 Prozent). Am häufigsten bezahlt wird weiterhin mit der Debitkarte (29,3 Prozent), welche ihre Spitzenposition ausbauen konnte. Das zeigt der zum zehnten Mal durchgeführte Swiss Payment Monitor der ZHAW School of Management and Law und dem Center for Financial Services Innovation der Universität St. Gallen. Für die Untersuchung wurden im Oktober und November 2023 rund 1700 Personen repräsentativ für die ganze Schweiz befragt.

Debitkarte legt bei Zahlungen vor Ort zu

Bei Zahlungen vor Ort festigt die Debitkarte als Abrechnungsprodukt ihre Spitzenposition deutlich, und zwar sowohl beim Umsatz mit einem Anteil von 41,2 Prozent (+3,5 Prozentpunkte) als auch bei der Anzahl Transaktionen mit 37 Prozent (+2,1 Prozentpunkte). Die Kreditkarte folgt im sogenannten Präsenzgeschäft mit einem Umsatzanteil von 29,1 Prozent (-3,2 Prozentpunkte) auf Platz zwei und auf Platz drei gemessen an der Anzahl Transaktionen mit 21,6 Prozent (-0,4 Prozentpunkte). Dabei werden Zahlungen mit E-Wallets wie Apple Pay, Samsung Pay oder Google Pay, bei denen eine Debit- oder Kreditkarte hinterlegt ist, mitgezählt. «Mittlerweile wird rund jede dritte Kreditkartenzahlung und 13 Prozent aller Debitkartenzahlungen mobil mit hinterlegten Zahlungskarten durchgeführt, beispielsweise via Apple Pay, Samsung Pay oder Google Pay», sagt ZHAW-Zahlungsmittelexperte Marcel Stadelmann.

Mit einem Anteil von 29,2 Prozent (-2,9 Prozentpunkte) wird vor Ort weiterhin am zweithäufigsten mit Bargeld bezahlt. Mit dem Bankkonto verknüpfte Twint-Zahlungen – also mit mobilem Bezahlen im eigentlichen Sinn – legen im Präsenzgeschäft nach dem starken Wachstum zwischen November 2022 und Mai 2023 nur noch leicht zu auf einen Anteil von 7,2 Prozent (+0,3 Prozentpunkte).

Einstellung zur Bargeldabschaffung polarisiert

Der Grossteil der Schweizer Bevölkerung bewertet den Zugang zu Bargeld in ihrem Alltag als eher gut (53 Prozent) bis sehr gut (32 Prozent). Lediglich 15 Prozent beurteilen ihn insgesamt als eher schlecht (13 Prozent) bis sehr schlecht (2 Prozent). Fast die Hälfte der Befragten ist jedoch der Meinung, dass sich der Bargeldzugang in den letzten Jahren zumindest etwas (36 Prozent) oder sogar stark (10 Prozent) verschlechtert hat. «Die subjektive Wahrnehmung der Schweizer Bevölkerung deckt sich mit objektiven Messgrössen zum Bargeldzugang», erklärt Tobias Trütsch, Zahlungsökonom der Universität St. Gallen.

Die Einstellung zu einer möglichen Abschaffung von Bargeld ändert sich stetig: Der Anteil derer, die sich weder für noch gegen eine Abschaffung aussprechen, sinkt kontinuierlich. Eine Zunahme auf mittlerweile 44,3 Prozent zeigt sich stattdessen beim Anteil der Bevölkerung, der sich klar gegen eine Abschaffung von Bargeld ausspricht. Ältere Befragte lehnen eine Bargeldabschaffung stärker ab. Hingegen ist in den jüngeren Altersklassen ein deutlicherer Anstieg der Ablehnung zu verzeichnen. «Interessant ist, dass sich immer mehr Befragte gegen eine Abschaffung von Bargeld aussprechen, dieses aber gleichzeitig immer seltener zum Bezahlen benutzt wird», beobachtet Tobias Trütsch.

Bargeldannahmepflicht wird befürwortet

Die Einführung einer Annahmepflicht für Bargeld in der Schweiz wird von einer Mehrheit von 61 Prozent begrüsst. Etwas weniger als jede:r fünfte Befragte spricht sich dagegen aus. Demgegenüber wird eine Annahmepflicht für bargeldlose Zahlungsmittel von 41 Prozent der Befragten befürwortet und von 37 Prozent abgelehnt. «Aus den Rückmeldungen zu den Gründen geht hervor, dass die Befürworter:innen die individuelle Wahlfreiheit des Zahlungsmittels aus Sicht der Konsument:innen am höchsten gewichten», sagt Marcel Stadelmann.

Swiss Payment Monitor

Der Swiss Payment Monitor erscheint halbjährlich, um die Entwicklungen im Zahlungsverhalten der Schweizer Bevölkerung zeitnah abzubilden. Er wurde im Jahr 2018 erstmals veröffentlicht und basiert einerseits auf repräsentativen Umfragedaten einer Online- und Tagebucherhebung sowie anderseits auf öffentlichen Daten der Schweizerischen Nationalbank. Von Mitte Oktober bis Mitte November 2023 wurden rund 1700 Personen ab 18 Jahren aus allen drei Landesteilen zu ihren Zahlungsgewohnheiten und Einstellungen gegenüber neuen Zahlungsmitteln repräsentativ befragt. Der Swiss Payment Monitor wird vom Swiss Payment Research Center der ZHAW School of Management and Law und dem Swiss Payment Behaviour Lab der Universität St. Gallen herausgegeben. Die Studie wird finanziert durch die beiden Forschungsinstitutionen, die Swiss Payment Association (Branchenorganisation aller grossen Schweizer Herausgeber von Kreditkarten der internationalen Kartenorganisationen) sowie die Industriepartner Nexi und Worldline. www.swisspaymentmonitor.ch | www.swisspaymentbehaviour.ch

Kontakt

Dr. Marcel Stadelmann, Senior Researcher, ZHAW School of Management and Law, Telefon +41 58 934 46 46, E-Mail marcel.stadelmann@zhaw.ch

Dr. Tobias Trütsch, Managing Director, Center for Financial Services Innovation, Universität St. Gallen, Telefon +41 71 224 71 55, E-Mail tobias.truetsch@unisg.ch

Valerie Hosp, Kommunikation, ZHAW School of Management and Law, Telefon +41 58 934 40 68, E-Mail valerie.hosp@zhaw.ch


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22.02.2024 | von ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

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