Pressemitteilung
Schweizer Tierschutz STS fordert konsequente Stärkung des Tierwohls in der AP2030+
Bildrechte: Schweizer Tierschutz STS
23.02.2026, Der Schweizer Tierschutz STS ist enttäuscht über die vom Bundesrat skizzierte Ausrichtung der zukünftigen Agrarpolitik ab 2030 (AP30+). Die aktuelle Stossrichtung lässt zentrale Anliegen des Tierwohls weitgehend unberücksichtigt und droht, die Situation der Nutztiere in der Schweiz langfristig zu verschlechtern.
Gemäss den vorliegenden Analysen setzt die AP30+ stark auf Effizienzsteigerung, administrative Entlastung und produktionsorientierte Kennzahlen. Dies geschieht auf Kosten des Tierwohls: Effizienzsteigerung führt in der Praxis oft zu höherem Leistungsdruck, intensiverer Fütterung und kürzeren Produktionszyklen. Vereinfachungen von Tierwohlprogrammen bedeuten qualitative Einbussen beim Tierwohl. Beides Entwicklungen, die direkt die Belastung für die Tiere erhöhen. Der STS stellt fest, dass der ohnehin hohe Druck im Agrarsystem so direkt auf die schwächsten im System abgewälzt wird: die Tiere.
Zudem birgt die geplante stärkere Ergebnisorientierung erhebliche Risiken: Tierwohl kann weder mit Tiergesundheit noch mit Produktivität gleichgesetzt werden. Es kann auch nicht über wenige Kennzahlen abgebildet werden. Ohne effiziente und effektive Kontrollen droht das System an Glaubwürdigkeit und Transparenz zu verlieren.
Bundesrat verpasst Chance für eine nachhaltige und tierfreundliche Agrarpolitik
In dem vom Bundesrat formulierten Rahmen für die AP30+ fehlen zentrale Elemente, die das Tierwohl stärken würden. Selbst Lenkungsabgaben auf Kraftfutter und Pestizide – ein wichtiges Instrument zur Reduktion intensiver, importabhängiger Produktionssysteme – wurden gestrichen. Die ursprünglich angekündigte Integration von ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen ist kaum mehr auffindbar.
Umwelt- und Tierschutzorganisationen beurteilen die bisherigen Vorschläge als «unzureichend», um die Herausforderungen im Bereich Umwelt- und Tierschutz zu meistern. Auch aus Sicht des STS widerspricht die AP30+ dem Zielbild 2050, das der Bundesrat selbst formuliert hat und das eine nachhaltige Transformation des Ernährungssystems vorsieht. Statt systemisch zu denken, werden strukturelle Probleme konserviert und Massnahmen, insbesondere im Bereich Tierwohl und Tierschutz, unter dem Deckmantel der administrativen Vereinfachung verwässert.
STS-Forderungen an die zukünftige Agrarpolitik
Der Schweizer Tierschutz STS fordert den Bundesrat auf, die AP30+ dringend nachzubessern – insbesondere in folgenden Bereichen:
1. Förderung tierfreundlicher Haltungs- und Fütterungssysteme:
Weidehaltung, robustere Rassen und eine längere Nutzungsdauer müssen konsequent gefördert
werden. Indikatoren, die Hochleistungszucht oder intensive Haltung begünstigen, sind klar
abzulehnen. Die heutigen Tierwohlprogramme geniessen hohe Akzeptanz. Sie dürfen nicht
geschwächt und zurückgefahren werden. Sie müssen im Gegenteil ausgebaut und weiterentwickelt
werden. Der gesamte Lebenszyklus der Nutztiere – inklusive Transport und Schlachtung – muss
abgebildet werden.
2. Kooperativ organisiertes und risikobasiertes Kontrollsystem
stärken statt blossem Abbau des administrativen Aufwands:
Tierwohl braucht klare,
überprüfbare
Anforderungen sowie unabhängige, regelmässige und unangemeldete Kontrollen. Dass
Landwirtschaftsbetriebe weniger administrativen Aufwand fordern, ist verständlich – doch liesse sich
dieser am besten reduzieren, indem die Koordination zwischen den einzelnen Kontroll-Organen
gestärkt und die Digitalisierung gemeinsam vorangetrieben würde. Das Tierschutzgesetz ist zudem
ein zwar nicht hinreichender, aber notwendiger Bestandteil der Direktzahlungsverordnung. Nur so
kann ein koordinierter und funktionierender Vollzug im Nutztierbereich auch weiterhin gewährleistet
werden.
3. Reduktionintensiver, importabhängiger Produktionssysteme:
Eine
standortgerechte, kreislauforientierte Landwirtschaft muss Vorrang haben – weg von intensiven
Systemen, die Tierwohl und Umwelt belasten und die inländische Produktion schwächen. Der
ursprünglich angekündigte Ernährungssystemansatz sollte die gesamte Wertschöpfungskette mit
einbeziehen: Produktion, Konsum und Handel. Statt einer zukunftsorientierten Gesamtstrategie
erleben wir eine Rückkehr zur Produktionslogik – mit allen bekannten Zielkonflikten zwischen Klima,
Biodiversität und Tierwohl.
Schlussfolgerungen
Die Agrarpolitik 2030+ ist in ihrer jetzigen Form kein Schritt nach vorne, sondern eine gefährliche Schieflage. Der STS fordert, dass Tierwohl als gleichrangiges Ziel verankert, bestehende Programme ausgebaut und neue Impulse gesetzt werden. Nur so kann die Agrarpolitik den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden und eine nachhaltige, tierfreundliche Landwirtschaft fördern. Der STS wird sich weiterhin aktiv in den politischen Prozess einbringen und fordert den Bundesrat auf, das Tierwohl als zentralen Pfeiler der Agrarpolitik zu verankern und zu verbessern.
Für Rückfragen
Simon Hubacher
Schweizer Tierschutz STS
Leiter Medienstelle
Mobile +41 58 510 64 90
media@tierschutz.com
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Über Schweizer Tierschutz STS
1861 wurde der nationale Schweizer Tierschutz-Dachverband unter dem Namen «Schweizerischer Centralverein zum Schutz der Thiere» gegründet. 1980 wurde dieser veraltete Name in Schweizer Tierschutz STS geändert.
Heute umfasst der STS 71 Schweizer Tierschutzorganisationen und den Tierschutzverein Liechtenstein. Sein oberstes Organ ist die Delegiertenversammlung seiner Sektionen. Geleitet wird er von einem 13-köpfigen Zentralvorstand, der in neun Ressorts aufgeteilt ist: Fachbereich, Finanzen, Rechtsdienste, Politik, Kommunikation, Sektionen, Personal, International und Jugend.
Der STS ist national in allen Bereichen des Tierschutzes auf der fachlichen, politischen und gesetzgeberischen Ebene tätig. Die Sektionen des STS stellen mit ihren Tierheimen, Tierpflege- und Auffangstationen die Tierschutzbasisarbeit in allen Kantonen der Schweiz sicher.
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