Pressemitteilung
Caritas fordert Konsequenzen in der Schweizer Aussenpolitik und mehr Druck für humanitären Zugang

Caritas Schweiz
Bildrechte: Caritas Schweiz
Fotograf: Jano Fadlallah

09.04.2026, Im Libanon, im Gazastreifen und im Westjordanland verschärft sich die humanitäre Krise. Die israelische Regierung hat den Libanon explizit vom Waffenstillstandsabkommen mit dem Iran ausgenommen. Caritas Schweiz fordert vom Bundesrat ein stärkeres Engagement im Nahen Osten und eine klare Positionierung zur Einhaltung des Völkerrechts.

"Mehr als 1,2 Millionen Menschen sind im Libanon gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, um der Gewalt zu entkommen", sagt Martin Hiltbrunner, Teamleiter Humanitäre Programme bei Caritas Schweiz. Im Süden des Landes und in den südlichen Vororten von Beirut werden von der israelischen Armee vermehrt Evakuierungsbefehle erlassen. Mitarbeitende vor Ort berichten von anhaltenden Kampfhandlungen, zerstörter Infrastruktur und massiver Vertreibung. "Die Zivilbevölkerung ist besonders betroffen und der Zugang für humanitäre Hilfe wird immer schwieriger."

In den vergangenen Wochen wurden bei den Angriffen mehr als 1200 Zivilpersonen sowie 51 Mitarbeitende aus dem Gesundheitsbereich getötet.

Angespannte humanitäre Situation im Gazastreifen und im Westjordanland

Auch im Gazastreifen bleibt die Versorgungslage kritisch: Der Zugang zu lebenswichtigen Hilfsgütern ist stark eingeschränkt, im März passierten jede Woche nur etwa 340 Lastwagen die Grenzübergänge. Um den Bedarf der Zivilbevölkerung zu decken, wären 3000 nötig. Eine Partnerorganisation von Caritas Schweiz konnte im März wegen der iranischen Angriffe auf Israel nur 26 Lastwagenladungen nach Gaza bringen, gegenüber 95 im Februar.

Gleichzeitig spitzt sich die Situation im Westjordanland zu. Mitarbeitende des Caritas-Netzwerks berichten von massiv zunehmender Gewalt durch israelische Siedlerinnen und Siedler gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung. Die UN dokumentierte im März 150 solcher Angriffe.

Konkrete Forderungen an den Bundesrat

"Die Schweiz muss die Gewalt gegen Zivilpersonen und die Blockaden humanitärer Hilfe klar benennen. Ihre humanitäre Tradition verpflichtet sie dazu", sagt Martin Hiltbrunner. "Neutralität bedeutet nicht Wegschauen. Wenn das Völkerrecht verletzt wird, braucht es eine klare Haltung und entschlossenes Handeln."

Die Caritas kritisiert die zögerliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft und fordert auch vom Bundesrat eine aktivere Rolle. Die Schweiz soll alle diplomatischen, rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Hebel in Bewegung setzen und darauf hinarbeiten, dass das internationale humanitäre Recht wieder eingehalten wird.

Zudem soll der Bundesrat die Ausfuhr von Gütern, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können (Dual-Use), in die Region konsequent ausschliessen. "So kann verhindert werden, dass die Schweiz zum Krieg beiträgt", sagt Hiltbrunner. Caritas Schweiz appelliert an den Bundesrat, seine Verantwortung wahrzunehmen und sich konsequent für den Schutz der Zivilbevölkerung sowie die Einhaltung des Völkerrechts einzusetzen.

Neues Nothilfe-Projekt im Libanon durch Glückskette finanziert

Caritas Schweiz ist seit 2012 im Libanon tätig. Die Programme reichen von akuter Nothilfe bis zu langfristiger Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Bildung, Existenzsicherung und Einkommensförderung.

Seit der erneuten Eskalation der Gewalt im Jahr 2024 liegt der Schwerpunkt verstärkt auf humanitärer Hilfe. Derzeit versorgen die Caritas und ihre lokalen Partnerorganisationen die Menschen vor allem mit Wasser, Lebensmitteln, Decken und Matratzen und gewährleisten medizinische sowie psychologische Unterstützung durch mobile Kliniken und Gesundheitszentren. Ein von der Glückskette finanziertes Nothilfeprogramm ergänzt die aktuell laufenden akuten Nothilfemassnahmen.

Gazastreifen und Westjordanland

Im Gazastreifen unterstützt Caritas Schweiz zwei Partnerorganisationen in der humanitären Hilfe, teilweise finanziert von der Glückskette. Sie stellen Zelte, Decken, Lebensmittel sowie Bargeldhilfen bereit, damit notleidende Menschen ihre dringendsten Bedürfnisse selbst decken können, und unterstützen besonders Kinder und vulnerable Menschen mit psychosozialer Hilfe. Die Partnerorganisationen von Caritas Schweiz sind darüber hinaus auch im Westjordanland aktiv.

Pressekontakt:

Niels Jost, Mediensprecher Caritas Schweiz

medien@caritas.ch

076 233 45 04

Gerne vermitteln wir Ihnen ein Interview mit Wael Darwish, Direktor Naher Osten bei Caritas Schweiz, in Beirut.

09.04.2026 | von Caritas Schweiz

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Über Caritas Schweiz

Caritas Schweiz verhindert, lindert und bekämpft Armut in der Schweiz und weltweit in rund 20 Ländern. Caritas Schweiz ist ein eigenständiger Verein mit Sitz in Luzern und Mitglied des internationalen Caritas-Netzwerks, das weltweit 160 Organisationen umfasst.

Gemeinsam mit den Regionalen Caritas-Organisationen setzt sich Caritas Schweiz ein für Menschen, die in der Schweiz von Armut betroffen sind: Familien, Alleinerziehende, Arbeitslose, Working Poor. In den Bereichen Armutsbekämpfung und Asyl und Integration bietet Caritas Schweiz vielfältige Angebote.

Weltweit leistet die Caritas Nothilfe bei Katastrophen und engagiert sich im Wiederaufbau. Mit ihren Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit setzt sich die Caritas in den Bereichen Einkommen, Klima und Migration für Kinder und Erwachsene ein.

Die Caritas steht ein für eine solidarische Gesellschaft und eine Politik, die auf sozial benachteiligte Menschen im Inland und im Ausland Rücksicht nimmt. Sie engagiert sich mit Analysen und Stellungnahmen zu Klima-, Sozial-, Migrations- und Entwicklungspolitik.

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