Bei dieser 45. Ausgabe des Manor Kunstpreises knüpfen die Preisträger*innen an die Tradition eines Preises an, der Jahr für Jahr die Vielfalt und die Vitalität des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz ins Rampenlicht rückt.
Ob Installation, Performance, Skulptur, Malerei oder Klang: Ihre Werke setzen sich mit Erinnerung, Identität, Wandel und den Erzählungen unserer Gesellschaft auseinander. Dank des Manor Kunstpreises erhält jede Künstlerin und jeder Künstler eine Einzelausstellung in einer renommierten Institution ihrer*seiner Region sowie eine Publikation im Jahr 2027. Damit bekräftigt Manor ihr nachhaltiges Engagement für die junge zeitgenössische Kunstszene der Schweiz.
Die Ernennung der Preisträgerin oder des Preisträgers aus dem Kanton St. Gallen wird auf das Frühjahr 2027 verschoben, und ihre oder seine Werke werden im Rahmen des Manor Kunstpreises 2028 ausgestellt.
Im Kunstmuseum Basel wird der Manor Kunstpreis an Paula Santomé verliehen. Die 1994 in Spanien geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Basel. Sie hat einen Master in Fine Arts vom Institut Art Gender Nature der Kunsthochschule Basel und hat ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen in der Schweiz und international präsentiert.
Paula Santomé verbindet Zeichnung, Relief, Skulptur und Installation, um Werke zu schaffen, die von persönlichen Erzählungen, Mythen und gesammelten Bildern inspiriert sind. Anhand organischer Formen und Materialien wie Aluminium, Keramik oder Glas erforscht sie Themen wie Emanzipation, Widerstand und Transformation. Ihre Werke hinterfragen Körperdarstellungen und Machtverhältnisse und entwerfen gleichzeitig neue Formen der Freiheit.
paulasantome.com
In Genf hat die Jury des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst den Manor Kunstpreis 2027 an Davide-Christelle Sanvee verliehen. Die 1993 geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Genf und entwickelt eine Praxis an der Schnittstelle von Installation und Performance. Sie absolvierte ein Studium der Bildenden Kunst an der Hochschule für Kunst und Design in Genf und spezialisierte sich auf performative Praktiken und die Arbeit des Körpers im Raum. Zudem studierte sie Innenarchitektur in Amsterdam, was ihren Ansatz in Bezug auf Orte und deren Nutzung prägt.
In ihrer Praxis versteht Davide-Christelle Sanvee die Performance sowohl als szenische Form als auch als Mittel zur Emanzipation. Inspiriert vom Theater und von der Institutionskritik nimmt sie die Orte, die sie einnimmt, in Besitz, indem sie dort unsichtbare Erzählungen zwischen persönlichen Geschichten und kollektivem Gedächtnis zum Vorschein bringt. Sie arbeitet ausgehend von den Räumen selbst, um "Präsenzen" der Vergangenheit zirkulieren zu lassen und das Publikum dazu zu bringen, den Kontext, in dem es sich befindet, neu zu überdenken.
In Graubünden, im Bündner Kunstmuseum in Chur, geht der Manor Kunstpreis 2027 an Livio Casanova. Der in Siat geborene und dort aufgewachsene Künstler lebt heute zwischen Graubünden und Bern. Nach seinem Abschluss an der Hochschule der Künste Bern und am Dutch Art Institute in Arnheim stellte er unter anderem in der Kunsthalle Bern, im Bündner Kunstmuseum und im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart aus.
Livio Casanova geht von alten Textilien, bestickten Stoffen oder abgenutzten Geweben aus, die Spuren des Gebrauchs und der Erinnerung tragen und die er direkt in seine Kompositionen einbindet. Er verbindet sie mit Motiven, Zeichen und grafischen Gesten, die aus historischen und volkstümlichen Erzählungen stammen, insbesondere aus Textiltraditionen, der Hexerei oder kulturellen Figuren wie Heidi. Durch die Kombination von Fäden, Symbolen und Bildern schafft er Werke, in denen sich die Weitergabe von Geschichten, Handwerk und zeitgenössisches Schaffen in einem Dialog zwischen Materie und Vorstellungskraft kreuzen.
liviocasanova.ch
Im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen wird der Manor Kunstpreis 2027 an Amanda Camenisch verliehen. Die 1987 geborene und aus Schaffhausen stammende Künstlerin lebt und arbeitet seit 2014 in London. Ausgebildet in Fotografie, Sozialanthropologie sowie Kunst- und Kulturanthropologie, hat sie ihre Arbeiten in verschiedenen Institutionen in der Schweiz, in Deutschland und im Vereinigten Königreich präsentiert.
In ihrer Praxis verbindet Amanda Camenisch Installation, Skulptur, Ton, Film und Performance, um immersive und partizipative Umgebungen zu schaffen. Ausgehend von organischen Materialien wie Wachs, Mineralien, Pflanzen oder Textilien erforscht sie die Begriffe der Transformation, der Regeneration und der kollektiven Erfahrung. Ihre Werke entstehen oft im Rahmen von Workshops, Performances oder Klanginterventionen, die den Austausch und neue Beziehungsformen zwischen Menschen, Objekten und dem Raum fördern.
www.amandacamenisch.com
Im Kunst Museum Winterthur wird der Manor Kunstpreis 2027 für den Kanton Zürich an Caterina De Nicola verliehen. Die 1991 in Ortona, Italien, geborene und in Zürich lebende Künstlerin entwickelt eine multidisziplinäre Praxis, die Installation, Performance, Klang und objektbezogene Arbeit miteinander verbindet. Die Absolventin der École cantonale d'art de Lausanne war unter anderem Stipendiatin in La Becque in La Tour-de- Peilz und hat ihre Arbeiten in verschiedenen Institutionen in der Schweiz und im Ausland ausgestellt.
Caterina De Nicola verwandelt Fundstücke, wiederverwertete Materialien und visuelle Elemente des Alltags in immersive Installationen. Sie interessiert sich dafür, wie Bilder, Symbole und Objekte in der heutigen Gesellschaft zirkulieren, sich wiederholen und ihre Bedeutung verändern. Mit einem experimentellen Ansatz, der dem "Do-it-yourself"-Prinzip nahekommt, schafft sie Umgebungen, in denen Assemblage, Umdeutung und Recycling zu Werkzeugen werden, um die heutige Welt zu beobachten und zu hinterfragen.
www.caterinadenicola.com
Ein Engagement für die junge Schweizer Kunstszene
Der Manor Kunstpreis, der 2022 sein 40-Jahre-Jubiläum gefeiert hat, ist einer der wichtigsten Preise zur Förderung zeitgenössischer Kunst in der Schweiz. Er wurde 1982 von Philippe Nordmann mit dem Ziel ins Leben gerufen, jungen Schweizer Künstler*innen eine Plattform zu bieten. Er wird jedes Jahr von einer Fachjury abwechselnd in den folgenden Städten verliehen: Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Lugano, Luzern (für die Zentralschweiz), Schaffhausen, Sitten, St. Gallen und Winterthur. Ein Blick auf die Liste der Preisträger*innen zeigt, dass der Manor Kunstpreis für eine ganze Reihe von Kunstschaffenden den Startschuss für eine internationale Karriere gegeben hat.
Manor gratuliert den Gewinner*innen des Manor Kunstpreises 2027 herzlich und wünscht ihnen viel Erfolg auf ihrem weiteren künstlerischen Weg!
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