Der Bundesrat hat am 9. September 2026 den Bericht «Die digitale Kluft in der Schweiz» verabschiedet. Er erfüllt damit das Postulat 23.3621 «Digitale Kluft. Eine Zweiklassengesellschaft vermeiden», das Nationalrätin Céline Weber am 7. Juni 2023 eingereicht hatte. Der Bericht untersucht, welche Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet sind, welche Massnahmen bereits bestehen und ob zusätzliche Schritte notwendig sind.
Internetzugang ist kaum noch das Hauptproblem
Beim Zugang zum Internet ist die Schweiz inzwischen sehr weit. Im Jahr 2025 verfügten 97,6 Prozent der Haushalte über einen Internetzugang. Der Anteil der Haushalte ohne Internetanschluss sank innerhalb von zehn Jahren von 17,4 Prozent im Jahr 2014 auf 2,4 Prozent im Jahr 2025.
Der Bundesrat hält deshalb fest, dass beim reinen Internetzugang in der Schweiz nicht mehr von einer digitalen Kluft gesprochen werden kann. Unterschiede bestehen jedoch weiterhin bei den digitalen Fähigkeiten und bei der tatsächlichen Nutzung digitaler Angebote.
Nur 41,4 Prozent mit mehr als grundlegenden digitalen Kompetenzen
Deutlich grösser sind die Unterschiede bei den digitalen Fähigkeiten. 2025 verfügten 41,4 Prozent der Bevölkerung über mehr als grundlegende digitale Kompetenzen. 2021 waren es 36,6 Prozent.
Für die Erhebung werden fünf Kompetenzbereiche berücksichtigt: Informations- und Datenkompetenzen, Kommunikation und Zusammenarbeit, Problemlösung, Erstellung von Inhalten sowie Sicherheit. Untersucht wird die Bevölkerung im Alter von 15 bis 88 Jahren.
Besonders deutlich sind die Altersunterschiede. Bei den Personen ab 60 Jahren verfügten 2025 lediglich 23,3 Prozent über mehr als grundlegende digitale Kompetenzen. Bei den 30- bis 59-Jährigen waren es 48,3 Prozent und bei den 15- bis 29-Jährigen 52,5 Prozent.
Auch der Bildungsstand spielt eine grosse Rolle. Bei Personen mit einem Tertiärabschluss lag der Anteil mit mehr als grundlegenden digitalen Kompetenzen bei 58,1 Prozent. Bei Personen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II waren es 29,3 Prozent. Unter Personen ohne nachobligatorische Ausbildung erreichten lediglich 11 Prozent dieses Kompetenzniveau.
Generative KI macht die Unterschiede besonders sichtbar
Besonders ausgeprägt ist die Kluft bei der Nutzung generativer künstlicher Intelligenz. 2025 wurde diese Nutzung in der Omnibus-Erhebung des Bundesamts für Statistik erstmals erfasst.
43,2 Prozent der Bevölkerung gaben an, innerhalb der drei Monate vor der Befragung generative KI zur Erstellung von Inhalten genutzt zu haben. Bei Menschen unter 30 Jahren lag der Anteil bei mehr als 75 Prozent, bei Personen ab 60 Jahren dagegen bei rund 15 Prozent.
Auch hier zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang mit dem Bildungsstand: Bei Personen mit Tertiärabschluss nutzten 52,3 Prozent generative KI, bei Personen ohne nachobligatorische Ausbildung waren es 16,6 Prozent.
Der Bundesrat stellt fest, dass die Unterschiede zwischen Altersgruppen, Bildungsniveaus und beruflichen Kategorien bei generativer KI stärker ausfallen als bei den anderen untersuchten digitalen Diensten.
Mehrere Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet
Der Bericht identifiziert verschiedene Gruppen mit einem erhöhten Risiko für digitale Ausgrenzung. Dazu gehören insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Personen mit niedrigem Bildungsniveau oder ohne nachobligatorische Ausbildung, Menschen in schwieriger finanzieller Situation sowie Personen in unqualifizierten Tätigkeiten.
Ein Migrationshintergrund kann ebenfalls ein Risikofaktor sein, laut Bericht jedoch insbesondere bei Angehörigen der ersten Migrationsgeneration. Auch Menschen mit Behinderungen können betroffen sein, wenn digitale Angebote nicht auf ihre spezifischen Bedürfnisse ausgerichtet sind. Zudem sind geringe digitale Kompetenzen bei Frauen häufiger verbreitet als bei Männern.
Der Bundesrat betont gleichzeitig, dass diese Gruppen nicht klar voneinander abgegrenzt werden können. Betroffene Personen weisen häufig mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auf.
Keine neue nationale Strategie zur digitalen Inklusion
Die Schweiz verfügt bereits über zahlreiche Programme und Initiativen zur Förderung digitaler Kompetenzen und zur Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit. Die bestehenden Initiativen werden im Bericht insgesamt als wirksam eingeschätzt. Gleichzeitig hält der Bundesrat fest, dass sie die digitale Kluft bislang nicht vollständig beseitigen konnten.
Eine der grössten Herausforderungen besteht laut Bericht darin, gerade jene Personen zu erreichen, die Unterstützung am dringendsten benötigen. Empfohlen werden deshalb niederschwellige Angebote, die günstig oder kostenlos, geografisch gut erreichbar, zeitlich passend und einfach verständlich sind.
Trotz der weiterhin bestehenden Unterschiede sieht der Bundesrat derzeit keinen Bedarf für eine neue nationale Strategie zur digitalen Inklusion. Das bestehende System sei flexibel genug, um auch auf technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz reagieren zu können.
Die Digitale Verwaltung Schweiz will im Rahmen ihrer strategischen Grundlagen und der Planung für die Jahre 2028 bis 2031 prüfen, wie die digitale Inklusion angemessen in ihre Arbeit integriert werden kann. Der Bund will zudem weiterhin mit der Allianz Digitale Inklusion Schweiz zusammenarbeiten.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt plant der Bundesrat weder zusätzliche Massnahmen noch zusätzliche finanzielle Mittel. Die bestehenden Aktivitäten sollen jedoch fortgeführt und, soweit möglich, innerhalb der vorhandenen Strukturen verstärkt werden.
Digitalisierung wird zunehmend zur Kompetenzfrage
Der Bericht zeigt damit einen grundlegenden Wandel: Der technische Zugang zum Internet ist in der Schweiz für die grosse Mehrheit der Bevölkerung vorhanden. Die entscheidende Frage ist zunehmend, ob Menschen über die Fähigkeiten verfügen, digitale Angebote tatsächlich zu ihrem Vorteil zu nutzen.
Mit digitalen Behördenleistungen, Online-Banking und der raschen Verbreitung generativer KI gewinnt diese Frage weiter an Bedeutung. Die Digitalisierung in der Schweiz betrifft damit längst nicht mehr nur Infrastruktur, sondern zunehmend auch Bildung, Kompetenzen und gesellschaftliche Teilhabe.
Quellen:
Bundesrat /
Bundeskanzlei: «Die digitale Kluft in der Schweiz – Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 23.3621 Weber vom 7. Juni 2023», 9. September 2026
Bundesamt für Statistik (BFS): Internetnutzung und digitale Kompetenzen
Schweizer Parlament: Postulat 23.3621 «Digitale Kluft. Eine
Zweiklassengesellschaft vermeiden»



