Cyberkriminalität ist für Schweizer Unternehmen längst ein Thema der Geschäftsleitung. Dennoch klafft zwischen dem Bewusstsein für digitale Bedrohungen und der praktischen Vorbereitung auf einen Ernstfall weiterhin eine deutliche Lücke.
Das geht aus der aktuellen Studie «KMU Cybersicherheit 2026» hervor, die von der Mobiliar in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) , digitalswitzerland , der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO), der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) und der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) erarbeitet wurde.
Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsunternehmen YouGov Schweiz zwischen dem 24. Juni und dem 10. Juli 2026 insgesamt 507 Entscheidungsträger aus Unternehmen mit 1 bis 49 Mitarbeitenden.
Künstliche Intelligenz erhöht die Aufmerksamkeit für Cybergefahren
Gemäss den Studienergebnissen betrachten 88 Prozent der befragten KMU Cyberkriminalität als ernstzunehmendes Problem. 81 Prozent rechnen damit, dass die Bedrohung durch den Einsatz künstlicher Intelligenz weiter zunehmen wird.
Gleichzeitig planen lediglich 29 Prozent der Unternehmen zusätzliche Massnahmen gegen Cyberkriminalität.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein ausgeprägtes Risikobewusstsein nicht automatisch zu weiteren Investitionen oder organisatorischen Veränderungen führt.
Technische Absicherung ist weit verbreitet
Bei grundlegenden technischen Schutzmassnahmen sind zahlreiche Schweizer KMU bereits aktiv. 83 Prozent setzen regelmässige Software-Updates konsequent um, 68 Prozent verwenden und aktualisieren Firewalls. Eine Zweiweg- oder Mehrfaktorauthentifizierung ist bei 55 Prozent entsprechend umgesetzt.
Auch Datensicherungen gehören mittlerweile für die meisten Unternehmen zum Alltag. Rund neun von zehn KMU erstellen regelmässig Backups.
Entscheidend ist jedoch nicht allein, ob Daten gesichert werden. Im Fall eines Systemausfalls muss auch die Wiederherstellung funktionieren.
Laut den detaillierten Studienergebnissen üben lediglich 27 Prozent der untersuchten Unternehmen mit Backup regelmässig das tatsächliche Zurückspielen gesicherter Daten.
Notfallpläne und Sicherheitsaudits bleiben Schwachstellen
Grössere Unterschiede zeigen sich bei den organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen.
Nur 34 Prozent der Unternehmen haben eine systematische Inventarisierung ihrer IT-Systeme, Geräte, Software und Cloud-Dienste umgesetzt. Regelmässige Mitarbeiterschulungen sind bei 31 Prozent etabliert.
Einen Notfallplan oder ein Konzept zur Weiterführung des Geschäftsbetriebs haben 28 Prozent der befragten KMU vollständig oder weitgehend umgesetzt. Sicherheitsaudits werden lediglich bei 15 Prozent in entsprechendem Umfang durchgeführt.
Diese Ergebnisse sind für kleinere Betriebe besonders relevant. Fällt eine zentrale IT-Anwendung aus, können bereits alltägliche Geschäftsabläufe betroffen sein – beispielsweise die Auftragsbearbeitung, Rechnungsstellung oder Kommunikation mit Kunden und Lieferanten.
Auch verlässliche Unternehmensinformationen sind wichtig
Neben der technischen Absicherung spielt die Qualität verfügbarer Unternehmensinformationen eine wichtige Rolle im digitalen Geschäftsalltag.
Unternehmen müssen Geschäftspartner identifizieren, Kontaktangaben überprüfen und Veränderungen bei bestehenden Geschäftsbeziehungen erkennen können. Gerade bei verdächtigen Nachrichten, ungewöhnlichen Zahlungsaufforderungen oder angeblichen Änderungen von Bankverbindungen ist eine unabhängige Überprüfung sinnvoll.
Das Schweizer Firmen- und Informationsportal HELP.CH stellt hierfür öffentlich zugängliche Unternehmensinformationen bereit, darunter Handelsregisterangaben und Firmenporträts. Solche Daten können bei der Überprüfung von Unternehmensidentitäten und offiziellen Firmendaten unterstützen.
Sie ersetzen allerdings weder die direkte Rückfrage über einen bereits bekannten Kontaktweg noch technische Sicherheitsmassnahmen.
Cybersicherheit wird wieder stärker priorisiert
Die Untersuchung zeigt auch eine positive Entwicklung: 46 Prozent der befragten KMU bewerten Cybersicherheit inzwischen als wichtig oder sehr wichtig. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil bei 33 Prozent.
Damit gewinnt das Thema wieder an Gewicht. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitenden.
Für kleinere Betriebe bleibt die Herausforderung bestehen, technische Sicherheitsmassnahmen mit klaren Zuständigkeiten, Schulungen und einer funktionierenden Notfallorganisation zu verbinden.
Fünf Fragen für die Geschäftsleitung
Aus den Studienergebnissen ergeben sich konkrete Prüfpunkte für Schweizer Unternehmen:
1. Zuständigkeiten: Ist festgelegt, wer bei einem Cybervorfall Entscheidungen trifft und externe Fachpersonen kontaktiert?
2. Datensicherung: Wurde die Wiederherstellung wichtiger Geschäftsdaten unter realistischen Bedingungen getestet?
3. Mitarbeitende: Wissen die Beschäftigten, wie sie verdächtige Nachrichten und mögliche Betrugsversuche erkennen?
4. Geschäftskontakte: Gibt es verbindliche Abläufe zur Überprüfung ungewöhnlicher Zahlungsaufforderungen oder geänderter Bankverbindungen?
5. Geschäftsfortführung: Können die wichtigsten betrieblichen Prozesse auch bei einem längeren IT-Ausfall weitergeführt werden?
Die neue Studie macht deutlich, dass Cybersicherheit nicht ausschliesslich eine technische Aufgabe ist. Für die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens kommt es ebenso darauf an, Risiken organisatorisch zu berücksichtigen und wichtige Abläufe regelmässig zu überprüfen.
Über die Studie:
«KMU Cybersicherheit 2026» ist die siebte Ausgabe der seit 2020 durchgeführten Studienreihe zur Cybersicherheit und Digitalisierung in Schweizer KMU. Die Untersuchung wurde von der Mobiliar gemeinsam mit dem BACS, digitalswitzerland, HES-SO, HWZ und SATW erarbeitet. Die Befragung führte YouGov Schweiz durch.
Quellenhinweis: Dieser Artikel basiert auf der Originalstudie «KMU Cybersicherheit 2026». Die redaktionelle Aufbereitung und Einordnung erfolgten eigenständig durch Swiss-Press.com / HELP Media AG. HELP.CH war nicht an der Studie beteiligt.
Originalstudie: cyberstudie.ch
Redaktion: Swiss-Press.com / HELP Media AG



