Rassismus im Gesundheitswesen beschränkt sich nicht nur auf Diskriminierungen, die in medizinischenEinrichtungen erlebt werden. Die Kolonialmedizin, eugenische Theorien und Rassifizierungsprozesse haben Wissen, Praktiken und Vorstellungen geprägt, die bis heute wirken. Dieses Erbe zu kennen, trägt dazu bei, die heutigen Ungleichheiten, die Ungleichbehandlung und die Folgen von Rassismus auf die Gesundheit der davon betroffenen Menschen besser zu verstehen.
Wie in anderen Ländern weltweit erfährt das Thema Rassismus im Gesundheitswesen auch in der Schweiz zunehmend Beachtung. Die Datenlage, anhand derer sich das Ausmass auf nationaler Ebene messen liesse, ist jedoch nach wie vor dürftig. Der Bericht 2024 des Beratungsnetzes für Rassismusopfer verzeichnet in dem Bereich 46 Meldungen. Diese Zahl spiegelt jedoch nur einen Bruchteil der tatsächlich erlebten Situationen wider. Der Mangel an systematisch erhobenen Daten unterstreicht die Notwendigkeit, Diskriminierungen besser zu dokumentieren und ihre Anerkennung stärker zu fördern.
Die Beiträge in dieser Ausgabe beleuchten verschiedene Aspekte der Problematik: Rassismus in der Pflege, Racial Burden, die Auswirkungen von Rassismus auf den Körper und die Weitergabe transgenerationaler Traumata. Sie befassen sich mit den Zusammenhängen zwischen Migration und psychischer Gesundheit und mit dem Einfluss eurozentrischer Schönheitsideale.
Mit ihrer thematischen Breite trägt die 50. Ausgabe von TANGRAM zu einem besseren Verständnis der Mechanismen von Rassismus und der gesundheitlichen Folgen bei. Sie betont, wie wichtig es ist, vermehrt auf Bildung, Dokumentation von Diskriminierungsfällen und Präventionsmassnahmen zu setzen, damit jede und jeder einen gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung erhältund die eigene körperliche und psychische Gesundheit bewahren kann.
Die Ausgabe regt zudem dazu an, die Folgen des Rassismus im Lichte der politischen Massnahmen, institutionellen Praktiken und Machtverhältnisse zu betrachten, die den Lebensweg von Menschen und Gemeinschaften prägen. Diese historische Perspektive verdeutlicht einmal mehr, dass Diskriminierung und ihre Auswirkungen nur vollständig verstanden werden können, wenn man den sozialen Kontext berücksichtigt, in dem sie stattfinden.
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