Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein untersucht einen umfangreichen Cyberangriff auf das staatliche Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen, kurz VwbP.
Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen gelang es unbekannten Tätern, sich unberechtigt Zugang zum System zu verschaffen. Dabei wurden Daten von rund 31'000 Rechtsträgern kopiert. Im betroffenen Verzeichnis sind Informationen zu den natürlichen Personen gespeichert, die Gesellschaften, Stiftungen oder Treuhänderschaften wirtschaftlich kontrollieren.
Hinweise darauf, dass Einträge verändert oder gelöscht worden sind, liegen nach Angaben der Regierung derzeit nicht vor.
Auffälligkeiten am 30. Juli entdeckt
Der unberechtigte Zugriff dürfte in der Nacht auf den 30. Juli 2026 erfolgt sein. Im Verlauf desselben Tages bemerkte das Amt für Justiz ungewöhnliche Vorgänge und zog das Amt für Informatik bei.
Die zuständigen Stellen leiteten daraufhin technische Sicherungsmassnahmen ein, trennten das betroffene System vom Netz und begannen mit der Untersuchung des Vorfalls.
Am 31. Juli wurde die Regierung über den Verdacht eines erfolgreichen Angriffs informiert. Erste bestätigte Untersuchungsergebnisse lagen am Nachmittag des 1. August vor.
Das Verzeichnis ist für externe Nutzer bis auf Weiteres nicht verfügbar.
Regierung setzt Krisenstab ein
Noch am Abend des 1. August setzte die Regierung einen Krisenstab ein. Die formelle Bestätigung folgte am nächsten Tag.
Die Leitung übernehmen Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler. Der Krisenstab koordiniert die technische und organisatorische Aufarbeitung, die Information der betroffenen Personen sowie weitere Schutzmassnahmen.
Noch ist nicht bekannt, wer hinter dem Angriff steht, wie genau der Zugang zum System erfolgte und zu welchem Zweck die Daten kopiert wurden.
Vorfall gilt als Datenschutzverletzung
Da das angegriffene Verzeichnis personenbezogene Informationen enthält, behandeln die Behörden den Vorfall als Verletzung des Datenschutzes.
Derzeit wird geprüft, welche Angaben konkret abgeflossen sind und welche Personen direkt betroffen sind. Diese sollen entsprechend den geltenden Datenschutzbestimmungen informiert werden.
Für Fragen zum Vorfall hat die Regierung die zentrale E-Mail-Adresse vwbpfragen@llv.li eingerichtet.
Register dient der Bekämpfung von Geldwäsche
Das VwbP wurde geschaffen, um nachvollziehbar zu machen, welche natürlichen Personen hinter juristischen Personen und anderen Rechtsträgern stehen oder diese kontrollieren.
Die Informationen unterstützen die Behörden bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Die gesetzliche Grundlage für das Verzeichnis trat in Liechtenstein 2021 in Kraft.
Das VwbP ist nicht mit einem allgemein zugänglichen Firmenverzeichnis gleichzusetzen. Es enthält teilweise besonders schützenswerte Angaben zu wirtschaftlich berechtigten Personen.
Öffentliche Firmendaten gesondert einzuordnen
Das vom Cyberangriff betroffene VwbP ist nicht mit dem öffentlich zugänglichen Firmenindex des Liechtensteinischen Handelsregisters oder einem privaten Unternehmensverzeichnis gleichzusetzen. Das VwbP enthält Angaben zu den natürlichen Personen, die hinter Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften stehen oder diese kontrollieren.
Öffentlich zugängliche Unternehmensangaben wie Firmenname, Rechtsform, Sitz, Adresse und Unternehmenszweck können weiterhin über den amtlichen Firmenindex und über private Informationsplattformen wie www.firmenbuch.li recherchiert werden.
Firmenbuch.li ist ein privates Unternehmensverzeichnis der HELP Media AG und keine amtliche Registerstelle. Die Plattform steht nicht in Verbindung mit dem vom Cyberangriff betroffenen VwbP.
Die Untersuchungen der liechtensteinischen Behörden dauern an. Weitere Informationen sollen veröffentlicht werden, sobald neue gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Quelle: Regierung des Fürstentums Liechtenstein, «Unberechtigter Zugriff von Dritten auf Verzeichnisdaten», Medienmitteilung vom 2. August 2026.



