Pressemitteilung
Finanzierungskrise verschärft die Not der Rohingya

20.08.2026 | 14:55 Uhr | Helvetas Swiss Intercooperation

Helvetas Swiss Intercooperation

20.08.2026, Zürich (ots) - Über 1,2 Millionen Rohingya leben weiterhin in Bangladesch. Finanzierungslücken, Naturkatastrophen und fehlende Perspektiven verschärfen ihre Lage. Helvetas appelliert an die internationale Gemeinschaft, die Menschen in den Flüchtlingslagern von Cox's Bazar nicht im Stich zu lassen.

Neun Jahre nach der grossen Flucht der Rohingya aus Myanmar bleibt eine Rückkehr in ihre Heimat für die meisten Menschen ausser Reichweite. Über 1,2 Millionen Rohingya leben heute in Bangladesch, davon rund 1,17 Millionen in den Lagern von Cox's Bazar. Gleichzeitig sind in den vergangenen Monaten erneut Menschen vor der Gewalt in Myanmar geflohen und nach Bangladesch gekommen. Die humanitäre Krise dauert damit an und ist weiterhin die grösste Flüchtlingskrise weltweit.

Die Lebensbedingungen in den dicht besiedelten Lagern bleiben schwierig. Viele Familien sind vollständig von humanitärer Hilfe abhängig. Erwerbsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Hinzu kommen Ernährungsunsicherheit, mangelnde Zukunftsperspektiven und zunehmende Sicherheitsrisiken. Die anhaltende Unsicherheit belastet sowohl die Geflüchteten als auch die Gastgemeinschaften in der Region.

Überschwemmungen und Erdrutsche verschärfen die Not

Zusätzlich zu den sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen sind die Rohingya zunehmend den Folgen des Klimawandels ausgesetzt. Im Juli 2026 führten starke Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen in den Flüchtlingslagern. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Die Ereignisse zeigen erneut, wie verletzlich die Menschen in den provisorischen Siedlungen sind, die oft an steilen Hängen oder in überschwemmungsgefährdeten Gebieten liegen.

Helvetas unterstützt deshalb Massnahmen zur Katastrophenvorsorge und stärkt die Fähigkeiten von Gemeinschaften, auf Krisen zu reagieren. Jugendliche werden zu Frühwarnsystemen, Evakuierungen und Brandprävention geschult. Gemeinsame Projekte verbessern Wege, Entwässerungssysteme und den Schutz vor Naturgefahren.

Kürzungen der Hilfe treffen die Schwächsten

Die internationale Finanzierung der Rohingya-Hilfe steht zunehmend unter Druck. Der Hilfsplan für 2026 ist deutlich geringer ausgestattet als in früheren Jahren. Bereits heute wirken sich Finanzierungslücken auf Bildung, Schutzangebote, Einkommensmöglichkeiten und andere wichtige Dienstleistungen aus. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche Kinder keine Bildungseinrichtungen mehr besuchen, unter anderem weil Angebote reduziert oder geschlossen wurden.

"Neun Jahre nach der Flucht darf die Rohingya-Krise nicht zu einer vergessenen Krise werden", sagt Christian Gemperli, Leiter Humanitäre Hilfe bei Helvetas. "Die Menschen in Cox's Bazar verfügen kaum über Perspektiven und sind gleichzeitig den Folgen von Konflikten, Naturkatastrophen und Finanzierungskürzungen ausgesetzt. Internationale Solidarität bleibt dringend notwendig."

Frauen und Jugendliche stärken

Helvetas verbindet humanitäre Hilfe mit langfristiger Resilienzförderung. Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftliche Stärkung von Frauen, die Förderung von Jugendlichen, der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die Verbesserung der Katastrophenvorsorge. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen unterstützt Helvetas Rohingya-Geflüchtete und Gastgemeinschaften dabei, ihre Fähigkeiten auszubauen und ihre Widerstandskraft gegenüber Krisen zu stärken.

So begleiten lokale Fachpersonen Frauen beim Aufbau kleiner Unternehmen, damit sie ein eigenes Einkommen erwirtschaften können. Jugendliche engagieren sich als Multiplikator:innen für Katastrophenvorsorge, Brandschutz sowie die Prävention von Kinderheirat und Gewalt. Diese Ansätze stärken den sozialen Zusammenhalt in einer Situation, die für viele Menschen von Unsicherheit geprägt ist.

Hilfe für über 30'000 Haushalte

Mit ihren Projekten unterstützt Helvetas rund 30'000 Haushalte - 18'000 Rohingya-Haushalte und 12'000 Haushalte von Einheimischen, die um die Geflüchteten-Camps wohnen. Ergänzend dazu leistete Helvetas im vergangenen Jahr Nothilfe für besonders verletzliche Familien, unter anderem nach Überschwemmungen und anderen Extremereignissen.

Eine sichere, freiwillige Rückkehr nach Myanmar liegt immer noch in weiter Ferne. Deshalb bleibt die Unterstützung der Rohingya und der aufnehmenden Gemeinden eine zentrale internationale Aufgabe.

Pressekontakt:

Matthias Herfeldt
Leiter Kommunikation
044 368 65 48, 076 338 59 38
matthias.herfeldt@helvetas.org

20.08.2026 | 14:55 Uhr | von Helvetas Swiss Intercooperation

--- ENDE Pressemitteilung Finanzierungskrise verschärft die Not der Rohingya ---


Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber.


Über Helvetas Swiss Intercooperation

Helvetas engagiert sich für eine gerechte Welt, in der alle Menschen selbstbestimmt in Würde und Sicherheit leben, die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen und der Umwelt Sorge tragen. Die unabhängige Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit – mit eigenständigen Gesellschaften in Deutschland und den USA – leistet in rund 30 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa Hilfe zur Selbsthilfe und ermöglicht so echte Veränderungen.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen packt Helvetas die globalen Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen an: Erstens mit konkreten Projekten vor Ort, zweitens mit der Vermittlung von Fachwissen. Und drittens fördert Helvetas gute politische Rahmenbedingungen zugunsten der Ärmsten und Benachteiligten. Helvetas verfolgt einen Multi-Stakeholder-Ansatz und bezieht deshalb die Zivilgesellschaft, den Staat und die Privatwirtschaft in ihr Engagement ein.

Helvetas arbeitet in den Bereichen Wasser, Ernährung und Klima, Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und Arbeit, sowie Mitsprache, sozialer Zusammenhalt und Frauenförderung. Nach Katastrophen leistet Helvetas auch humanitäre Hilfe. Der Fokus der Arbeit von Helvetas liegt in ländlichen Gebieten. Zunehmend ist Helvetas aber auch im urbanen Kontext aktiv und richtet ihre Arbeit noch stärker auf die Förderung von Jugendlichen aus.

In der Schweiz fördert Helvetas das solidarische Bewusstsein und beteiligt sich am entwicklungspolitischen Dialog.

Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf HELP.ch.


Quellen:
news aktuell   HELP.ch