Pressemitteilung
KI: Bedrohung oder Chance? Wie eine Übersetzerin vom Fall Kodak lernen konnte

05.11.2026 | 10:49 Uhr | Innosuisse - Schweizerische Agentur für Innovationsförderung

Innosuisse - Schweizerische Agentur für Innovationsförderung Bildrechte: Innosuisse

05.11.2026, Als künstliche Intelligenz begann, die Übersetzungsbranche zu verändern, wollte Paula Reichenberg herausfinden, wie diese Technologie spezialisiertes Fachwissen stärken statt ersetzen kann. Gemeinsam mit Forschungspartnern und mit Unterstützung von Innosuisse entwickelte sich aus dieser Idee eine Reihe von Innovationsprojekten, ein neues Unternehmen und neues Know-how mit starken Wurzeln in Freiburg.

Paula Reichenberg gründete 2007 Hieronymus – Translations by Lawyers for Lawyers in 2007. Das Unternehmen ist auf juristische und finanzielle Übersetzungen spezialisiert und verbindet sprachliche Expertise mit einem fundierten Verständnis komplexer rechtlicher Fragestellungen.

Mit der Zeit begannen die Fortschritte bei der maschinellen Übersetzung jedoch, den Markt zu verändern. Kundinnen und Kunden übernahmen zunehmend Standardübersetzungen selbst, wodurch das etablierte Geschäftsmodell des Unternehmens unter Druck geriet.

Anstatt künstliche Intelligenz als Bedrohung zu betrachten, begann Paula zu untersuchen, wie sie die bei Hieronymus aufgebaute Expertise ergänzen und neue Möglichkeiten eröffnen könnte. Für sie bedeutete dies, frühzeitig zu erkennen, dass technologische Veränderungen aufgegriffen und nicht ignoriert werden sollten.

«Während meines MBA-Studiums hatte ich immer eine kleine Stimme im Hinterkopf: ‹Click-Clack Kodak›. Er stand sinnbildlich dafür, wie schnell ein Marktführer an Bedeutung verlieren kann, wenn er eine neue Technologie nicht aufgreift und für sich nutzt. Als die maschinelle Übersetzung begann, unseren Markt zu verändern, wollte ich nicht, dass Hieronymus denselben Fehler macht», erklärt Paula.

Wenn Unternehmen mit der Forschug zusammenspannen

Um dieser Frage nachzugehen, benötigte Paula Fachwissen, das im Unternehmen noch nicht vorhanden war. Robert van Kommer, ICT-Innovationsmentor bei Innosuisse, brachte sie mit Professor Jean Hennebert und dem Institut iCoSys der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR) zusammen.

Die Partner brachten unterschiedliche, aber sich ergänzende Kompetenzen ein: Hieronymus kannte die juristische und finanzielle Fachsprache, die Bedürfnisse seiner Kundschaft sowie die Anforderungen im Umgang mit vertraulichen Informationen. Das Forschungsteam steuerte seine Expertise in der Verarbeitung natürlicher Sprache, im maschinellen Lernen und im Data Engineering bei.

Eine Idee mit Potenzial?

Das erste von Innosuisse unterstützte Innovationsprojekt startete 2020. Unter dem Namen Datalambic wurde untersucht, wie spezialisierte Sprachdaten aufbereitet und genutzt werden können, um eine sichere neuronale Übersetzungslösung für den Rechts- und Finanzbereich zu entwickeln.

Ziel war es, Teile des Übersetzungsprozesses zu automatisieren und zu beschleunigen und gleichzeitig sicherzustellen, dass Fachpersonen dort die Kontrolle behalten, wo juristische Nuancen unersetzliches menschliches Fachwissen erfordern. Die Zusammenarbeit legte die technologischen Grundlagen für LexMachina, eine spezialisierte Übersetzungslösung, die auf die Bedürfnisse von Schweizer Fachpersonen aus dem Rechts- und Finanzbereich zugeschnitten ist.

Die Unterstützung von Innosuisse gab den Partnern die Möglichkeit, eine ambitionierte Idee zu testen, deren technologische Machbarkeit und Marktpotenzial zunächst noch nachgewiesen werden mussten. Hieronymus konnte dadurch mit einem wissenschaftlichen Partner zusammenarbeiten und neue Kompetenzen aufbauen, ohne das gesamte dafür notwendige Fachwissen selbst entwickeln zu müssen.

Weiterkommen mit Unterstützung von Innosuisse

Auf das erste Projekt folgte ein zweites gemeinsames Innovationsprojekt, das ebenfalls von Innosuisse unterstützt wurde. 2022 wurde Neur.on AI Solutions SA in Freiburg als Spin-off von Hieronymus gegründet, um die Technologie weiterzuentwickeln und zu kommerzialisieren.

Anschliessend entwickelte Neur.on Corrext, eine Plattform, die Fachpersonen aus dem Rechts- und Finanzbereich während des gesamten Übersetzungs- und Revisionsprozesses unterstützt. Statt den Menschen aus dem Prozess zu entfernen, hilft die Lösung den Nutzerinnen und Nutzern dabei, Textstellen zu identifizieren, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, und automatisierte Verarbeitung mit spezialisiertem juristischem und sprachlichem Fachwissen zu kombinieren.

2024 begann mit einem von Innosuisse unterstützten Start-up Innovationsprojekt eine dritte Phase. Die verschiedenen Projekte begleiteten die Entwicklung von einer ersten Forschungsfrage bis hin zu einem Technologieunternehmen, das seine Lösung auf die Markteinführung vorbereitet. Gemäss Alliance Innovation, das Unternehmen beim Aufbau von Forschungskooperationen und bei der Entwicklung von Innosuisse-Projekten unterstützt, dienten die im Rahmen der Innosuisse-Gesuche definierten Ziele dem Unternehmen auch weiterhin als Roadmap.

Ein interdisziplinäres Team als Schlüssel zum Erfolg

Mit der Weiterentwicklung der Technologie benötigte Neur.on Mitarbeitende, die verschiedene Fachgebiete miteinander verbinden konnten. Bis Oktober 2024 war das Unternehmen auf ein elfköpfiges Team angewachsen, das Kompetenzen aus Linguistik, Recht, Ingenieurwesen und Data Science vereinte.

Mehrere Studierende, die an den Innovationsprojekten mitgearbeitet hatten, wurden später vom Unternehmen eingestellt. Ihr Wechsel von der angewandten Forschung in eine Tätigkeit im Unternehmen zeigt konkret, wie die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft zur Entwicklung hochqualifizierter Fachkräfte beitragen kann. Für Paula ging es beim Aufbau des richtigen Teams jedoch nicht nur darum, verschiedene Fachkompetenzen zusammenzubringen, sondern auch die Voraussetzungen für eine echte interdisziplinäre Zusammenarbeit zu schaffen.

«Legal AI braucht eine ungewöhnliche Mischung von Menschen: Juristinnen und Juristen, Linguistinnen und Linguisten, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Data Scientists, die in ihrem eigenen Fachgebiet hervorragend sind, zugleich bescheiden mit dem umgehen, was sie nicht wissen, und wirklich bereit sind, voneinander zu lernen. Sobald dieses menschliche neuronale Netzwerk funktioniert, tut man alles dafür, es zusammenzuhalten. Das war einer der Gründe, weshalb wir uns für eine Kapitalbeschaffung entschieden haben: Hat man einmal das richtige Team, weiss man, dass man das Produkt entwickeln kann», betont sie.

Schweizer Wurzeln, die bleiben – und ein Verkaufsargument sind

2026 trat Neur.on in eine neue Entwicklungsphase ein. Das Unternehmen wurde von Legal 230, dem führenden europäischen Pure Player für juristische Übersetzungen, übernommen, während das achtköpfige Legal-NLP-Team zum europäischen Legal-AI-Scale-up Noxtua stiess. Neur.on behielt seinen Hauptsitz in Freiburg, und sämtliche Server sowie Datenflüsse befinden sich weiterhin in der Schweiz.

Die Schweizer Datensouveränität war schon immer eines der zentralen Alleinstellungsmerkmale von Neur.on und ein wichtiger Bestandteil seiner Infrastruktur. Für Schweizer Behörden, Anwaltskanzleien, die hochvertrauliche Mandate bearbeiten, sowie Industrieunternehmen, die sensibles Know-how und Geschäftsgeheimnisse schützen müssen, ist die Speicherung und Verarbeitung von Daten in der Schweiz eine zentrale Anforderung. Auch für internationale Kundinnen und Kunden aus dem Rechts- und Finanzbereich hat sich dies als starkes Verkaufsargument erwiesen. Sie schätzen die Schweizer Infrastruktur aufgrund der Vertraulichkeit, der Rechtssicherheit und der Kontrolle darüber, wo ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden.

Sowohl Neur.on als auch Noxtua sind weiterhin in Freiburg präsent. Dadurch kann das Team zu einer grösseren europäischen Plattform beitragen und gleichzeitig in der Region verankert bleiben.

«Der Grund, weshalb Noxtua nach Freiburg kam, war einfach: Never change a winning team! Noxtua erkannte den Wert eines leistungsstarken Teams, das bereits gelernt hatte, über sehr unterschiedliche Disziplinen hinweg erfolgreich zusammenzuarbeiten, und wollte darauf aufbauen», hält Paula fest.

05.11.2026 | 10:49 Uhr | von Innosuisse - Schweizerische Agentur für Innovationsförderung

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Über Innosuisse - Schweizerische Agentur für Innovationsförderung

Innosuisse ist die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung und unterstützt wissenschaftsbasierte Innovationen in der Schweiz.

Als öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes fördert Innosuisse die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen. Mit finanzieller Unterstützung für Innovationsprojekte sowie Coaching-, Ausbildungs- und Vernetzungsangeboten trägt sie dazu bei, Forschungsergebnisse in innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle umzusetzen.

Ziel ist es, die Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung der Schweizer Wirtschaft zu stärken.

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Quellen:
Swiss-Press.com    HELP.ch