Künstliche Intelligenz verändert die Schweizer Softwarebranche. Unternehmen setzen KI zunehmend bei der Programmierung, der Analyse, dem Design und der Wartung von Software ein. Die Technologie unterstützt Mitarbeitende bei der täglichen Arbeit und beeinflusst gleichzeitig die Erwartungen der Kundschaft.
Das zeigt der am 26. Oktober 2026 veröffentlichte Swiss Software Industry Survey (SSIS) der Universität Bern. Die Untersuchung wurde in Zusammenarbeit mit sieber&partners im Auftrag des Wirtschaftsverbands Swico durchgeführt. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung Schweizer Softwareunternehmen und sind nicht als Vollerhebung der gesamten Branche zu verstehen.
Gemäss der Studie nutzen 88,3 Prozent der befragten Softwareunternehmen künstliche Intelligenz in der Softwareentwicklung. Auch in anderen Geschäftsbereichen ist KI verbreitet: 68,5 Prozent setzen die Technologie im Marketing und Verkauf ein, 60,4 Prozent bei Führungsaufgaben und 48,7 Prozent im Vertragsmanagement.
KI-Investitionen steigen deutlich
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung bei den geplanten Investitionen. Im Jahr 2025 lagen die durchschnittlichen KI-Ausgaben der befragten Unternehmen bei rund 119'000 Franken. Für 2026 rechnen sie mit durchschnittlich 199'000 Franken und für 2027 mit rund 234'000 Franken.
Sollten diese Erwartungen eintreffen, würden sich die jährlichen KI-Investitionen innerhalb von zwei Jahren nahezu verdoppeln.
Knapp die Hälfte der Ausgaben entfällt auf KI-Plattformen und entsprechende Dienstleistungen. Weitere Mittel fliessen in die Entwicklung eigener KI-Lösungen sowie in die Weiterbildung der Mitarbeitenden.
Zu den am häufigsten genannten KI-Werkzeugen in der Softwareentwicklung zählen Claude, ChatGPT und Microsoft Copilot. Die starke Nutzung solcher Plattformen macht zugleich die Abhängigkeit von internationalen Technologieanbietern sichtbar und wirft Fragen zur digitalen Souveränität auf.
KI unterstützt – der Mensch bleibt verantwortlich
Trotz der zunehmenden Verbreitung künstlicher Intelligenz wird Software weiterhin überwiegend unter menschlicher Kontrolle entwickelt.
Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass autonome KI-Agenten weniger als zehn Prozent der Arbeit übernehmen. Bei rund 60 Prozent liegt dieser Anteil sogar bei höchstens fünf Prozent.
KI wird damit vor allem als Assistenzsystem genutzt. Sie unterstützt beispielsweise bei der Erstellung von Programmcode, technischen Spezifikationen und Verbesserungsvorschlägen.
«KI unterstützt, der Mensch steuert und prüft», erklärt Jon Fanzun, CEO von Swico.
Von einer weitgehend autonomen Softwareproduktion ist die Branche somit noch entfernt. Die Verantwortung für Planung, Qualitätssicherung und Entscheidungen bleibt bei den Fachpersonen.
Kundschaft erwartet schnellere Entwicklung und tiefere Kosten
Der zunehmende KI-Einsatz verändert auch die Anforderungen an Softwareanbieter. Kundinnen und Kunden erwarten kürzere Entwicklungszeiten und geringere Kosten. Für die Unternehmen entsteht dadurch zusätzlicher Druck, ihre Prozesse effizienter zu gestalten.
Allerdings ist die technologische Transformation noch nicht überall gleich weit fortgeschritten.
Rund 70 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI bislang punktuell oder strukturiert in mehreren Bereichen ihrer Wertschöpfung ein. Eine grundlegende Neugestaltung von Prozessen oder Geschäftsmodellen ist deutlich seltener.
Der Einsatz neuer Technologien bedeutet damit nicht automatisch, dass sich bestehende Geschäftsmodelle grundlegend verändern.
Klare Regeln und Erfolgskontrollen fehlen teilweise
Eine zentrale Herausforderung bleibt die sogenannte KI-Governance. Gemeint sind damit verbindliche Regeln, Zuständigkeiten und Kontrollmechanismen für den Einsatz künstlicher Intelligenz.
Zwar fördern viele Geschäftsleitungen die Nutzung von KI durch strategische Vorgaben, interne Standards und konkrete Ziele. Formale Verfahren zur Steuerung von KI-Projekten, zur Budgetkontrolle und zur Messung des Projekterfolgs sind jedoch noch nicht überall ausreichend etabliert.
Auch bei Weiterbildungen und der systematischen Erfassung möglicher Risiken bestehen Unterschiede zwischen den Unternehmen.
Die steigenden Investitionen erhöhen deshalb den Bedarf an klaren Verantwortlichkeiten und nachvollziehbaren Erfolgskriterien. Unternehmen müssen nicht nur entscheiden, wo KI eingesetzt werden soll, sondern auch überprüfen können, welchen wirtschaftlichen Nutzen sie tatsächlich erzielt.
Schweizer Softwarebranche erwartet nur geringes Wachstum
Die hohe Dynamik beim KI-Einsatz steht im Gegensatz zu den verhaltenen wirtschaftlichen Wachstumsaussichten der Branche.
Gemäss dem Swiss Software Industry Survey stieg die durchschnittliche operative Gewinnmarge (EBIT) von 6,4 Prozent im Jahr 2024 auf 7,2 Prozent im Jahr 2025.
Für 2026 erwarten die befragten Unternehmen hingegen einen leichten durchschnittlichen Umsatzrückgang von 0,26 Prozent. Für 2027 wird lediglich ein geringes Wachstum von 0,21 Prozent prognostiziert.
Die Softwarebranche steht damit vor der Herausforderung, steigende Technologieinvestitionen mit einem wirtschaftlich anspruchsvollen Marktumfeld in Einklang zu bringen.
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen: Künstliche Intelligenz ist in der Schweizer Softwareindustrie angekommen. Entscheidend für die kommenden Jahre wird sein, wie erfolgreich Unternehmen die Technologie in ihre Prozesse integrieren, Mitarbeitende darauf vorbereiten und den tatsächlichen Nutzen ihrer KI-Investitionen messen.
Weitere Nachrichten und Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz in der Schweizer Wirtschaft bündelt das Fachportal KI-Insider.ch.
Quelle: Swico – Swiss Software Industry Survey 2026, Medienmitteilung vom 26. Oktober 2026



