Pressemitteilung
Sozialhilfe in Schweizer Städten im Jahr 2025: Anteil von Einelternfamilien in der Sozialhilfe steigt

27.10.2026 | 15:33 Uhr | Städteinitiative Sozialpolitik

Städteinitiative Sozialpolitik Bildrechte: KEYSTONE/DPA
Fotograf: KARL-JOSEF HILDENBRAND

27.10.2026, Bern (ots) - Die Sozialhilfezahlen in den Städten bleiben stabil. Wie in den Vorjahren zeichnet sich ein leichter Rückgang ab, wie aus dem aktuellen Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik hervorgeht, der jedes Jahr die Sozialhilfedaten aus 14 Schweizer Städten auswertet. Der Bericht legt dieses Jahr den Fokus auf "Alleinerziehende in der Sozialhilfe". Das Thema beschäftigt die Sozialhilfe zunehmend, da der Anteil an Einelternfamilien in der Sozialhilfe steigt. Und damit auch ein wachsender Anteil an Kindern betroffen ist.

Die Sozialhilfequote betrug 2025 über die Gesamtheit der 14 Kennzahlenstädte 3,9 Prozent. Sie ist gegenüber dem Vorjahr mit -0,2 Prozent geringfügig gesunken. Somit bleibt die Sozialhilfequote in den Schweizer Städten stabil. Es sind einzelne Gruppen von Sozialhilfebeziehenden, welche die Aufmerksamkeit der Sozialen Diensten auf sich ziehen. Dazu gehören Einelternfamilien - mehrheitlich Frauen - und ihre Kinder. Letztere machen einen wachsenden Anteil der minderjährigen Sozialhilfebeziehenden aus. Seit 2010 stieg er von 52 auf 59 Prozent im Jahr 2025 an, wie aus dem Fokuskapitel der Studienautorin Michelle Beyeler, Privatdozentin an der Universität Zürich, hervorgeht.

Bei der Analyse zum Fokuskapitel haben neben den 14 langjährigen Kennzahlenstädte sechs weitere Städte aus der Romandie teilgenommen. Und die Befunde decken sich: Das Armutsrisiko ist für Einelternhaushalte in allen Städten gegenüber anderen Haushaltstypen deutlich erhöht. Dabei ist der Sozialhilfebezug oft eine zentrale Stütze ergänzend zu einem Einkommen, das nicht genügt, um eine Familie zu unterhalten.

Die Städte berichten von gezielten Massnahmen, die Alleinerziehende darin unterstützen, sich von der Sozialhilfe zu lösen: Mit Aus- und Weiterbildungsmassnahmen, bedarfsgerechten Kinderbetreuungsangeboten, Teilzeitarbeitsmodellen, Arbeitsintegration sowie Familienergänzungsleistungen. Gerade die Familienergänzungsleistung senkt sowohl das Sozialhilferisiko als auch die Bezugsdauer, so berichtet es beispielsweise die Stadt Lausanne, die über solche Leistungen verfügt.

"In den Städten und Kantonen, in denen diese Ergänzungsleistungen für Familien existieren, sind diese wirksam - umso mehr, wenn sie mit geeigneten Betreuungsangeboten, Bildungsmassnahmen und einer Begleitung auf dem Weg in die Arbeitswelt kombiniert werden", sagt Émilie Moeschler, Stadträtin für sozialen Zusammenhalt der Stadt Lausanne und Vizepräsidentin der Städteinitiative für Sozialpolitik. "Sie stärken die Selbstständigkeit von Alleinerziehenden und eröffnen ihren Kindern neue Perspektiven. Ihr Ausbau auf nationaler Ebene würde alle Familien unterstützen, unabhängig von ihrem Wohnort."

Die Stadt Biel wiederum erzielte Erfolge durch die Zusammenarbeit mit dem Informations- und Beratungszentrum frac. Das Zentrum unterstützt Frauen, darunter auch Alleinerziehende, beim beruflichen Wiedereinstieg nach einer längeren Kinderpause sowie beim Schliessen von Ausbildungslücken. Dabei werden die individuellen Lebenssituationen und insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf berücksichtigt.

Nicht allein eine Aufgabe der Sozialpolitik

Es gibt wirksame Massnahmen, so der Tenor aus den Städten. Doch benennen die Sozialdienste fehlende Bildungs- und Qualifizierungsangebote als eine der grössten Lücken im bestehenden Angebot für Alleinerziehende in der Sozialhilfe. Bildung ist der wirksamste Weg aus der Sozialhilfe, doch für Alleinerziehende ist dieser Weg oft der schwerste.

"Kinder sind unsere Zukunft. Sie und ihre Eltern - insbesondere alleinerziehende Eltern, die oft mit besonderen Herausforderungen kämpfen - verdienen unsere Aufmerksamkeit und bestmögliche Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben.", sagt Nicolas Galladé, Präsident Städteinitiative Sozialpolitik und Sozialvorsteher der Stadt Winterthur.

Modernisierung der Sozialhilfestatistik

Den Standardteil des Kennzahlenberichts verfasst das Bundesamt für Statistik. Die Sozialhilfestatistik befindet sich zurzeit in einer Modernisierungsphase. Veränderungen in den Erhebungen sind dadurch teilweise beschränkt aussagekräftig und müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Die Vorteile der Modernisierung: Die Datenqualität steigt und Auswertungen werden präziser. Der statistische Kennzahlenvergleich auf Basis der Sozialhilfestatistik des BFS ist ein unerlässliches Instrument der städtischen Sozialdienste.

Weitere Informationen

  • Bericht "Sozialhilfe in Schweizer Städten - die Kennzahlen 2025 im Vergleich"
  • Präsentation der Medienkonferenz
  • Auskunftspersonen für Medien in den 14 Städten

-> https://staedteinitiative.ch/publikationen/kennzahlen/

-> https://staedteinitiative.ch/fr/publications/indicateurs/

Pressekontakt:

Karin Landolt, Geschäftsführerin der Städteinitiative Sozialpolitik:

Telefon +41 79 409 60 17, info@staedteinitiative.ch

27.10.2026 | 15:33 Uhr | von Städteinitiative Sozialpolitik

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Über Städteinitiative Sozialpolitik

Die Städteinitiative Sozialpolitik vertritt die sozialpolitischen Interessen von rund 60 Schweizer Städten aus allen Regionen. Sie setzt sich für ein kohärentes System der sozialen Sicherung und eine gute Zusammenarbeit von Städten, Bund und Kantonen ein.

Die Städteinitiative Sozialpolitik ist eine Sektion des Schweizerischen Städteverbandes.

Die Städteinitiative Sozialpolitik ist ein Verein. Alle Städte, die Mitglied des Schweizerischen Städteverbandes sind, können auch Mitglied der Städteinitiative Sozialpolitik werden.

Vertreten werden die Städte durch die amtierenden Sozialvorsteherinnen und Sozialvorsteher sowie die für das Sozialwesen zuständigen leitenden Angestellten.

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Quellen:
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