Pressemitteilung
Unternehmensnachfolge Schweiz: 90'000 Firmen und 800'000 Arbeitsplätze betroffen

04.11.2026 | 10:35 Uhr | swiss-press.com / HELP Media AG

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04.11.2026, Zürich - In der Schweiz stehen in den kommenden Jahren Zehntausende Unternehmensübergaben an. Eine nationale Konferenz vom 3. November 2026 macht auf die wirtschaftliche Bedeutung erfolgreicher Nachfolgeregelungen aufmerksam. Gleichzeitig zeigen aktuelle Handelsregisterzahlen, dass im Oktober 2026 weitere 4'635 Unternehmen neu eingetragen wurden.

Die Unternehmensnachfolge wird zu einer wichtigen Herausforderung für den Schweizer Wirtschaftsstandort. In den kommenden Jahren stehen Firmenübergaben an, die rund 90'000 Unternehmen und 800'000 Arbeitsplätze betreffen. Das geht aus einer Medienmitteilung des Bundes vom 3. November 2026 hervor.

Die Zahlen zeigen die volkswirtschaftliche Bedeutung des Generationenwechsels. Während zahlreiche Firmengründerinnen und Firmengründer das Pensionsalter erreichen, stellt sich für viele Betriebe die Frage, wie sie langfristig weitergeführt werden können.

Parallel dazu entstehen jeden Monat Tausende neue Unternehmen. Die Schweiz steht damit vor einer doppelten Aufgabe: bestehende Firmen erhalten und gleichzeitig Raum für neue unternehmerische Aktivitäten schaffen.

Nationale Konferenz zur Unternehmensnachfolge in Bern

Am 3. November 2026 trafen sich rund 90 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft zur nationalen Konferenz über Unternehmensnachfolge in Bern.

Eingeladen hatten das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und der Schweizer Dachverband für Unternehmensnachfolge (CHDU).

Im Mittelpunkt standen die regulatorischen, steuerlichen und unternehmerischen Voraussetzungen für erfolgreiche Firmenübergaben. Diskutiert wurden insbesondere Fragen der Finanzierung, Besteuerung und Digitalisierung sowie Möglichkeiten, die administrative Belastung für Unternehmen zu reduzieren.

Scheitert eine Unternehmensnachfolge und kommt es dadurch zur Schliessung eines Betriebs, können Arbeitsplätze, Fachwissen und langjährige Geschäftsbeziehungen verloren gehen. Neben Arbeitsplätzen können auch unternehmerisches Fachwissen, langjährige Kundenbeziehungen und regionale Wirtschaftsstrukturen verloren gehen.

Die in der Bundesmitteilung genannten 800'000 Arbeitsplätze sind allerdings nicht unmittelbar gefährdet. Die Zahl verdeutlicht vielmehr den Umfang der Beschäftigung in Unternehmen, bei denen in den kommenden Jahren eine Übergabe ansteht.

Nachfolgestudie 2026: Jedes dritte KMU plant eine Übergabe

Wie gross die Herausforderung ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung der UBS und der Universität St.Gallen.

Gemäss der im Januar veröffentlichten Nachfolgestudie 2026 planen 32 Prozent der befragten Schweizer KMU-Inhaber eine vollständige oder teilweise Eigentumsübergabe innerhalb der kommenden fünf Jahre.

Knapp 11 Prozent beabsichtigen diesen Schritt bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativ gewichteten Befragung von 401 KMU-Inhabern im September 2025.

Auf die Schweizer KMU-Landschaft hochgerechnet, erwarten die Studienautoren bis Ende 2030 bei nahezu 168'000 Unternehmen eine Eigentumsübergabe.

Diese Hochrechnung unterscheidet sich methodisch von den rund 90'000 Unternehmen, auf die sich die aktuelle Bundesmitteilung bezieht. Beide Zahlen verdeutlichen jedoch die wirtschaftliche Tragweite der Nachfolgefrage.

78 Prozent der befragten Firmeninhaber haben selbst gegründet

Ein besonders interessantes Ergebnis der Nachfolgestudie betrifft die Geschichte der Unternehmen: 78 Prozent der befragten KMU-Inhaber haben ihren Betrieb selbst gegründet.

Das durchschnittliche Alter der befragten Firmeninhaber liegt bei 58 Jahren.

Damit steht ein bedeutender Teil der heutigen Unternehmergeneration erstmals vor der Aufgabe, das eigene Unternehmen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu übertragen.

Was vor Jahrzehnten mit einer Firmengründung begann, entwickelt sich nun zu einer Frage der langfristigen Unternehmenssicherung.

Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass geplante Übergaben nicht zwangsläufig erfolgreich abgeschlossen werden. Frühzeitige Vorbereitung, geeignete Nachfolgepersonen und tragfähige Finanzierungslösungen spielen deshalb eine entscheidende Rolle.

Gleichzeitig rechnen gemäss der Nachfolgestudie rund 15 Prozent der befragten Firmeninhaber mit einer Stilllegung oder Liquidation ihres Unternehmens. Dieser Anteil steigt mit zunehmendem Alter der Eigentümer tendenziell an.

Gleichzeitig 4'635 Firmengründungen im Oktober 2026

Während viele bestehende Unternehmen vor einem Generationenwechsel stehen, verzeichnet die Schweiz weiterhin eine rege Gründungsaktivität.

Gemäss den aktuellen Auswertungen zu den Firmengründungen von Firmenstatistik.ch, einem Statistikportal der HELP Media AG, wurden im Oktober 2026 insgesamt 4'635 neue Unternehmen ins Schweizer Handelsregister eingetragen.

Gegenüber September mit 4'453 Neueintragungen entspricht dies einer Zunahme von 4,1 Prozent. Im Vergleich zum Oktober 2025 liegt der aktuelle Wert dagegen um 3,5 Prozent tiefer.

Besonders viele Firmengründungen wurden erneut im Kanton Zürich registriert. Mit 973 Neueintragungen liegt Zürich vor Genf mit 389 und Waadt mit 384 neuen Unternehmen.

Nach Branchen entfielen die meisten Neugründungen auf Bau und Immobilien mit 695 Eintragungen, Handel mit 576 sowie Beratung mit 474.

Weitere Zahlen und regionale Vergleiche enthält der bereits veröffentlichte Swiss-Press-Bericht 4'635 Firmengründungen im Oktober 2026 – Gründungsdynamik zieht wieder an.

Die Auswertungen beruhen auf veröffentlichten Handelsregister-Neueintragungen. Diese sind nicht mit der statistischen Definition wirtschaftlich neu entstandener Unternehmen des Bundesamtes für Statistik gleichzusetzen.

Firmenübernahme als Alternative zur Neugründung

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass der Einstieg ins Unternehmertum nicht zwingend mit einer Neugründung beginnen muss.

Auch die Übernahme eines bestehenden Betriebs kann eine attraktive Möglichkeit zur Selbstständigkeit sein.

Bestehende Unternehmen verfügen häufig bereits über einen Kundenstamm, eingespielte Geschäftsprozesse, erfahrene Mitarbeitende und eine etablierte Marktposition.

Gleichzeitig erfordert eine Firmenübernahme eine sorgfältige Prüfung der finanziellen Verhältnisse, des Unternehmenswerts, möglicher Verpflichtungen und der künftigen Geschäftsaussichten.

Für bisherige Eigentümer kommen unterschiedliche Nachfolgemodelle infrage: die Übergabe innerhalb der Familie, die Übernahme durch Mitarbeitende oder der Verkauf an externe Interessenten.

Entscheidend ist in allen Fällen eine frühzeitige und realistische Planung.

Handelsregisterdaten zeigen die Entwicklung der Firmenlandschaft

Die wirtschaftlichen Veränderungen lassen sich auch anhand der laufenden Handelsregisterpublikationen verfolgen.

Das Schweizerische Handelsamtsblatt (SHAB) dokumentiert Neueintragungen, Mutationen, Liquidationen und weitere rechtlich relevante Änderungen bei Schweizer Unternehmen.

Wie die verschiedenen Informationsquellen zusammenhängen, erklärt der frühere Swiss-Press-Hintergrundbericht SHAB, Handelsregister, Zefix und UID einfach erklärt vom 3. Juni 2026.

Firmenstatistik.ch bereitet diese öffentlichen Registerinformationen statistisch auf und veröffentlicht Auswertungen zu Gründungen, Löschungen, Branchen und Kantonen.

Die Daten ermöglichen es, die Entwicklung der Schweizer Unternehmenslandschaft über längere Zeiträume zu beobachten. Über die Gründe einzelner Firmenlöschungen oder die Anzahl tatsächlich gelungener Unternehmensnachfolgen geben die Registerzahlen allein allerdings keine abschliessende Auskunft.

Unternehmensgründungen und Nachfolge gemeinsam betrachten

Die Schweiz verfügt über eine dynamische Unternehmenslandschaft. Laufend werden neue Firmen gegründet, während etablierte Betriebe ihre Zukunft über einen Generationenwechsel sichern müssen.

Beide Entwicklungen sind für die wirtschaftliche Stabilität von Bedeutung.

Die nationalen Diskussionen zur Unternehmensnachfolge und die aktuellen Firmengründungszahlen zeigen, dass die Schweizer Wirtschaft nicht nur neue Unternehmen benötigt, sondern auch erfolgreiche Lösungen für bestehende Betriebe.

Quellen:

Redaktion: swiss-press.com / HELP Media AG

04.11.2026 | 10:35 Uhr | von swiss-press.com / HELP Media AG

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