Bereits in den letzten Jahren kann eine Tendenz zu einer Abnahme der Sommerniederschläge festgestellt werden. Dies hat sich im Jahr 2026 deutlich gezeigt. Die Periode von April bis August war so trocken und heiss wie noch nie seit 1901. Schweizweit fielen nur 61% der üblichen Niederschlagsmengen. In Kombination mit den erhöhten Temperaturen weisen die Bäume vermehrt ein Wasserdefizit im Sommer auf. Eine Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen wird zwangsweise einen Wandel in der Baumartenzusammensetzung zur Folge haben.
Die Betrachtung der Standortansprüche der Buche und der Fichte, den zwei häufigsten Baumarten im Kanton Schaffhausen, zeigt, dass beide Baumarten an den Rand ihres ökologischen Vorkommens gedrängt werden. Anlässlich eines Rundgangs im Gebiet «Längenberg» in Schaffhausen wurde an verschiedenen Stationen deutlich, wie stark der Wald leidet und welche Massnahmen zur Förderung der zukunftsfähigen Baumarten möglich sind.
Die aktuelle Lage im Wald
Die extreme Trockenheit kombiniert mit hohen Temperaturen hinterlässt deutliche Spuren im Wald. Zahlreiche Buchen haben ihr Laub bereits vorzeitig abgeworfen, vielerorts sind die Böden im tieferen Wurzelraum immer noch relativ trocken. Bei verschiedenen Baumarten sind dürre Kronen und weitere deutliche Stresssymptome festzustellen. Viele Schäden im Wald sind bereits deutlich sichtbar und irreversibel. Sie lassen sich auch durch Regen nicht mehr beheben. Wie stark die Auswirkungen tatsächlich ausfallen, wird sich allerdings erst im nächsten Frühling zeigen, wenn die betroffenen Bäume hoffentlich wieder frisch austreiben.
Der letzte Gewittersturm vom 28. August hat zusätzlich regional erhebliche Schäden verursacht. Stark betroffen waren ältere Bäume mit grossen Baumkronen, wie Eichen, welche noch voll belaubt und grün waren. Die Aufarbeitung der Schäden ist bereits weit fortgeschritten. Auch wenn Strassen nicht mehr gesperrt sind, kann es durchaus sein, dass im Wald noch dürre Äste oder abgebrochene Kronenteile in den Bäumen hängen, welche weiterhin eine gewisse Gefahr darstellen können. Der Schaffhauser Wald wird grundsätzlich nachhaltig genutzt, dies bedeutet, dass nur maximal so viel Holz genutzt wird, wie laufend nachwächst. In den Wäldern des gesamten Kantons Schaffhausen wachsen rund 100'000 m3 Holz pro Jahr nach. In den vergangenen Jahrzehnten ist jedoch jährlich mit durchschnittlich weniger als 80'000 m3 Holz deutlich zu wenig Holz genutzt worden (seit 1975: 76’554 m3/J), sodass dadurch der Wald älter und vorratsreicher geworden ist. Dies zeigen Auswertungen der Waldinventur und der Waldstatistik. Dies ist nicht nachhaltig. Ein überalterter Waldbestand ist anfälliger für Extremereignisse als ein junger gesunder Waldbestand. Deshalb soll die Waldverjüngung gezielt gefördert werden.
Förderung der Waldverjüngung mit klimatoleranten Baumarten
Erste Priorität hat nach wie vor die Naturverjüngung einheimischer Baumarten, dort wo geeignete Samenbäume vorhanden sind. Diesbezüglich profitieren verschiedene licht- und wärmeliebende Arten wie z.B. Eichen vom wärmeren Klima. Heute seltene Baumarten wie Elsbeere, Nussbäume oder Winterlinden können in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Erst als letzte Option ist das Pflanzen einzelner gebietsfremder Baumarten wie der Orientbuche oder der Douglasie vorgesehen.
Naturnahe Waldpflege mit Begünstigung der gewünschten Baumarten
Eine möglichst breite Baumartenmischung soll gefördert werden und dient der Risikoverteilung. Diese Einzelmischungen sind in der Pflege sehr aufwendig und einzelne langsamwüchsige konkurrenzschwache Baumarten müssen immer wieder durch Pflegeeingriffe begünstigt werden. Die einzelnen Individuen konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe im Boden.
Bei der Jungwaldpflege werden nach einer positiven Auslese die zukunftsfähigen Bäume begünstigt indem jeweils mindestens ein Konkurrent entfernt wird, damit die Baumkrone wieder mehr Platz erhält und damit die Vitalität und Stabilität gefördert wird. Ein gesunder stabiler und zukunftsfähiger Baum hat eine grosse Krone und damit auch einen grossen Wurzelraum und kommt somit besser an das pflanzenverfügbare Wasser. Ohne Pflegemassnahmen wachsen die Bäume zu dicht und werden instabil.
Förderungswürdig sind unter anderem die trockenheitsadaptierten Eichen (Traubeneichen, Stieleiche, Zerreichen, Flaumeichen), aber auch diverse andere an den jeweiligen Standort angepasste Baumarten wie Sorbus-Arten, Linden, Nussbäume, Föhren, Lärchen, Weisstannen und auch beigemischte Douglasien.
Der Wald der Zukunft
Der Wald im Kanton Schaffhausen wird sich relativ schnell an die veränderten Umweltbedingungen anpassen müssen. Es wird sicher schwieriger für Fichte, Buche, und Esche. Diese drei Baumarten machen 70 % des stehenden Holzvorrats aus. Die Veränderungen zeigen sich in Mortalitätsschüben, die schnell, überraschend und flächig auftreten können. Eine Naturverjüngung unter einem geschlossenen Kronendach wie dies für Schattenbaumarten optimal wäre, fördert genau diejenigen Baumarten, die dem Klimawandel nicht gewachsen sind. Wenn klimatolerante licht- und wärmeliebende Baumarten gefördert werden sollen, braucht es eine Öffnung des Schirms oder gewisse Verjüngungsflächen. Die Feuchtigkeit und das sogenannte «Waldbinnenklima» muss aber trotzdem durch differenzierte Eingriffe möglichst erhalten bleiben. Die Herausforderungen durch den Klimawandel sind enorm – daher braucht der Wald die bestmögliche Unterstützung, Flexibilität und Verständnis bei der zukunftsgerichteten Waldpflege.



